#10 - „Psst... verrat es keinem!“ – Das Gewicht der Geheimnisse

Shownotes

„Ich muss dir was erzählen, aber versprich mir, dass es unter uns bleibt…“ – Diesen Satz haben wir alle schon einmal gehört oder selbst ausgesprochen. Doch was passiert eigentlich psychologisch und zwischenmenschlich, wenn eine Information zur Bürde wird? In der zehnten Folge von Coffee Chaos Clarity tauchen wir tief in die Welt des Verborgenen ein. Wir sortieren das Gedankenchaos rund um Vertrauen, Verantwortung und die Macht der Verschwiegenheit. Dabei beleuchten wir die feinen Nuancen zwischen persönlicher Freiheit und dem Drang, sich mitzuteilen.

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Timo: Willkommen zur neuen Folge von Coffee Chaos Clarity, eurem Podcast,

Timo: bei dem wir beim Kaffeetrinken versuchen, das Gedankenchaos zu sortieren und Klarheit zu finden.

Timo: Sylvie, was ist unser Thema heute?

Silvi: Das Thema heute ist Geheimnisse.

Timo: Uh.

Timo: Sagen umwoben, jetzt bräuchten wir so einen Einspieler mit Geheimnismusik.

Timo: Oder auch Horrormusik, weil Geheimnisangst.

Silvi: Vielleicht finden wir noch was Passendes, was wir so hinten dran legen können.

Timo: Ich gucke mich nachher mal um danach.

Silvi: Alles klar.

Timo: Geheimnisse. Ja, was ist denn ein Geheimnis aus deiner Perspektive?

Silvi: Ähm...

Silvi: Ja, ich habe überlegt, was ist überhaupt unsere Definition, weil so im Vorgespräch

Silvi: hatten wir schon mal, reden wir auch über Geschäftsgeheimnisse oder nur so persönliche,

Silvi: zwischenmenschlich und da haben wir ja gesagt, nee, wir gucken eigentlich nur

Silvi: da drauf, so über diese typischen Situationen.

Silvi: Man erzählt jemandem was und dann aber, ah, verrat es keinem.

Silvi: Oder vielleicht auch selber das Gefühl von, das darf man nicht erzählen.

Silvi: Und ich habe mal bei Wikipedia reingeschaut, wie da das Geheimnis definiert

Silvi: ist. Und hier heißt es, ein Geheimnis ist eine Tatsache, die nur einer Person

Silvi: oder einer beschränkten Zahl von Personen bekannt ist.

Silvi: Es soll einer anderen Person bzw.

Silvi: Personengruppe nicht bekannt werden. Die entsprechende Information wird häufig

Silvi: absichtlich in einem kleinen Kreis eingeweihter gehalten.

Silvi: Sie kann durch äußere Umstände auch vollkommen verloren gehen.

Silvi: Ja, soviel zur Definition.

Timo: Habe ich mich noch nie beschäftigt, Definition von Geheimnis.

Silvi: Aber dir fallen bestimmt Beispiele dazu ein, wo vielleicht jemand zu dir gesagt

Silvi: hat, verrat es keinem oder du hast das gesagt.

Timo: Ja, also als Beispiel habe ich...

Timo: Ich habe gekündigt von der Arbeit, aber erzähle es noch keinem,

Timo: weil man da vielleicht auch Angst hat vor Reputationsfluss oder wenn man es umdreht.

Timo: Mir wurde gekündigt zum Beispiel.

Timo: Das kann natürlich auch schambehaftet sein.

Timo: Man hat Angst, was draus gemacht wird, aber man muss die Information oder möchte

Timo: die Information auch loswerden.

Timo: Und dann kann man es einer Vertrauensperson erzählen, um da auch für sich so ein bisschen,

Timo: und das hatte ich auch nochmal im Vorgespräch, wo man oder mir auch aufgeschrieben,

Timo: das Geheimnis dann auch eine Bürde sein kann, diese mit anderen teilen.

Timo: Und das finde ich ein ganz gutes Beispiel, was dazu passt, wo du gesagt hast,

Timo: zu dem gewisser Personenkreis, das absichtlich dann verschlossen bleibt oder

Timo: nicht weiter verbreitet werden soll. Willst du dir noch ein Beispiel ein?

Silvi: Ja, ich dachte jetzt gerade in Bezug auf dein Beispiel, damit ist also auch

Silvi: eine hohe Erwartung an die Person, der du es erzählst oder die Personen,

Silvi: denen du es erzählst, dran geknüpft.

Silvi: Ein Vertrauen setzt es voraus, dass in dem Moment, wo du das erzählst,

Silvi: diese Personen das auch nicht weitertragen.

Silvi: Ja, und das ist mir dazu noch eingefallen. passt das für dich,

Silvi: dass du sagst, du hast dann diese Erwartungen an die Menschen.

Timo: Ja und Erwartung, also ich würde das mit, ja, Frage mit Ja beantworten.

Timo: Aber es gibt natürlich explizite und implizite Erwartungen und natürlich auch

Timo: einen gewissen Kontext. Was meine ich damit?

Timo: Implizite Erwartung ist ja dann, man sagt nicht behaltsfittig,

Timo: sondern man hat in einem gewissen Kontext einen sehr guten Freund,

Timo: eine sehr gute Freundin, die man schon ewig kennt, mit denen man alles teilt.

Timo: Und dann erwartet man bei so einer Information, obwohl man sie nicht klassifiziert

Timo: hat, ob sie confidential ist oder nicht, dass die Person das nicht weitererzählt.

Timo: Natürlich kann man das auch nochmal explizit sagen, indem man vorher sagt,

Timo: pass auf, jetzt kommt eine Information, die ich nicht weiter verbreitet sehen oder hören möchte,

Timo: und erzähle es keinem weiter. Es ist ja dann auch meistens so,

Timo: dass man dem vorausschiebt und der Person das dann mitteilt.

Timo: Und was ich da auch nochmal wichtig finde, wenn man das teilt oder auch sagt,

Timo: dann kann man natürlich auch die Person fragen.

Timo: Hey, pass mal auf, ich habe hier was, das soll nicht weitererzählt werden.

Timo: Ist es okay, wenn ich dir das mitteile? Kannst du damit umgehen?

Silvi: Das finde ich voll schwierig, weil ich,

Silvi: Du sollst also eine Aussage darüber treffen, dass du das für dich behalten kannst,

Silvi: ohne zu wissen, worum es geht.

Silvi: Und möglicherweise bringt dich das ja auch in einen Interessenkonflikt.

Silvi: Also es kann ja sein, du teilst ein Geheimnis,

Silvi: das eine andere Person betrifft und dann hat die Person, mit der du das teilst,

Silvi: einen Loyalitätskonflikt, weil sie sagt, ich sehe das eigentlich nicht so,

Silvi: dass das geheim bleiben sollte, sondern wir müssen die Person darüber aufklären.

Silvi: Und es kann durchaus dann ein Interessenkonflikt entstehen, den man vorher gar nicht bewerten kann.

Silvi: Wenn du jetzt zu mir sagst, ja, ich möchte dir gerne was erzählen,

Silvi: ist es okay, dass du es für dich behältst und dann überwiegt vielleicht sogar

Silvi: meine Neugier und ich sage, ja klar, auf jeden Fall kannst du mir vertrauen.

Silvi: Und dann erzählst du irgendwas, wo ich sage, ey, nee, sorry,

Silvi: da ist noch jemand davon betroffen, das kann ich nicht für mich behalten.

Timo: Ja, und das macht es gerade super schwierig, weil du gesagt hast,

Timo: teasern oder vorher sagen,

Timo: wenn du es dann schon angeteasert hast oder du musst dir dann auch ein Beispiel

Timo: nennen oder es ist ja schwierig, das neutral zu formulieren,

Timo: ohne dass die Person auch dann nicht neugierig wird.

Timo: Und dann nochmal zu sagen, nee, das möchte ich jetzt nicht.

Timo: Das ist auch schwer in der Situation, weil es ist ja vielleicht eine potenzielle

Timo: Vertrauensperson, in der man das teilt.

Timo: Und man will auch, das hat bestimmt auch was mit Enttäuschung zu tun.

Timo: Der Person dann nicht sagen zu müssen, das behalten wir jetzt für dich,

Timo: ich will das gar nicht wissen und auch wie gesagt dieses neugierig machen.

Timo: Wenn man es anteasert, dann ist es auch schwierig, dann bei einem Nein das dann

Timo: nicht weiter zu verraten oder der Person, die man gefragt hat,

Timo: dann hat man nicht mehr so viele Möglichkeiten, Nein zu sagen, glaube ich auch.

Silvi: Und wo du das gerade sagst mit dem Anteasern, da fallen mir so Situationen ein,

Silvi: dass Leute eben sagen, ich weiß gar nicht, ob ich das erzählen kann und so ein Gefühl von,

Silvi: ja, aber okay, du bist meine super Vertrauensperson.

Silvi: Und um dann aber auch im Nachgang vielleicht sagen zu können,

Silvi: ja, ich bin ja nicht schuld.

Silvi: Ich habe gedacht, der Person könnte ich vertrauen, der hat es jetzt doch weitererzählt

Silvi: oder so. Und ich sage dann halt meistens, ja gut, dann behalt es einfach für dich.

Silvi: Also ich will das gar nicht.

Timo: Aber so Personen, finde ich, wenn dieser Satz so fällt, wie du gerade gesagt

Timo: hast, ist das für mich auch ein bisschen ins Rampenlicht stellen wollen.

Timo: So auch einfach, ich weiß, was du nicht weißt.

Timo: Und dann einfach zu versuchen, dann auch die Person neugierig zu machen,

Timo: auch in diesen Strodel und diesen Rampenlicht mit reinzuziehen.

Timo: Und sich auch da ein bisschen hervorzuheben, habe ich immer das Gefühl.

Timo: Und dann, ich glaube aber, also ich würde es bei mir auch sehen,

Timo: dass ich dann sage, ja nee, dann erzähl es mir bitte nicht, es interessiert

Timo: mich jetzt auch gerade nicht nur, weil du jetzt vielleicht Gerüchte oder dich

Timo: ins Rampenlicht spielen möchtest,

Timo: und dann halt auch ist es auch nicht so wichtig, dann zieh mich da nicht rein,

Timo: aber wenn du dann wieder einen Kontext wechseln, wenn es ein guter Freund ist,

Timo: ein vertrauliches Gespräch oder eine gute Freundin und es ist nochmal was anderes,

Timo: glaube ich, dann geht es wieder in die Richtung zurück, die wir gerade eben

Timo: schon versucht haben zu beleuchten.

Silvi: Ja, du hast doch gerade Enttäuschungen angesprochen. Und ich frage mich da,

Silvi: kann ich die Verantwortung dafür wirklich auf die andere Person schieben?

Silvi: Und ich denke nicht, weil ich bin der Meinung, unabhängig vom Vertrauensverhältnis, Also na klar,

Silvi: es gibt Sachen, die soll man vielleicht nicht erzählen oder die sind irgendwie schambehaftet.

Silvi: Keine Ahnung was. Man weiß ja aber schon, wer sind die Menschen,

Silvi: die potenziell nichts für sich behalten können und wer sind diejenigen, die das können.

Silvi: Also da, finde ich, muss man schon mal für sich selber diese Entscheidung treffen,

Silvi: wem sage ich es und wem nicht.

Silvi: Und ich denke aber in dem Moment, wo ich das dringende Bedürfnis habe,

Silvi: jemandem was zu erzählen, weil ich es nicht für mich behalten kann,

Silvi: Finde ich das eigentlich frech, der anderen Person, der Person,

Silvi: der ich erzähle, genau diese Bürde aufzulasten.

Silvi: Der dann zu sagen, aber verrat es keinem.

Silvi: Also die soll was machen, was ich selber nicht schaffe.

Silvi: Und der Gedanke hilft mir, mich davon zu lösen, weil ich einfach sage,

Silvi: in dem Moment, wo ich es jemandem erzähle, gehört es mir nicht mehr.

Silvi: Wenn ich nicht will, dass es jemand weiß, ja, dann muss ich halt für mich behalten.

Timo: Erzähle ich es gar nicht. Das finde ich auch ein wichtiger Punkt.

Silvi: Und das ist natürlich blöd, es gibt genug Themen, wo es natürlich auch hilfreich

Silvi: ist, mit jemandem zu sprechen, aber dann muss ich auch ganz klar sagen,

Silvi: okay, dann gehört es mir nicht mehr.

Silvi: Ich kann das dazu sagen, hey, ich fände es wünschenswert, dass es jetzt nicht

Silvi: groß rumgetratscht wird oder so, aber es gehört mir nicht mehr.

Silvi: Es ist nicht mehr unter meiner Kontrolle.

Timo: Ja, und das macht es auch einfach, finde ich, dann sich dafür zu entscheiden,

Timo: wie du gerade sagst, ob ich es gar keinem erzähle oder ob ich es den Leuten

Timo: rausgebe und erzählen kann.

Timo: Und was mir dann auch einfällt dazu, es hat ja auch eine gewisse Eigenverantwortung zu tun.

Silvi: Total.

Timo: Wenn man über Geheimnisse spricht oder sich überlegt, die zu erzählen,

Timo: dann kann man sich Gedanken machen, ob ich, ob das der Person,

Timo: der es erzählen will, zumutbar ist, weil ich der ja auch eine gewisse Last mitgebe

Timo: einfach, Würde hast du gesagt und da kann man auch drüber nachdenken und ich

Timo: glaube, das wird halt auch,

Timo: ist nicht so immer im Bewusstsein mit drin, ist nicht so einfach aber ja,

Timo: man gibt der Person, der man es erzählt, oder den Personen eine gewisse Last mit und,

Timo: Würde trifft es ganz gut, glaube ich.

Silvi: Und ja, wie du sagst, das ist immer auch eine Entscheidung von der Person, die was erzählt.

Silvi: Also als Beispiel ist schon ein paar Jahre her, eine Freundin von mir,

Silvi: wir waren verabredet mit noch ein paar anderen Leuten für ein Wochenende.

Silvi: Und sie hat eben kurz vorher erfahren, sie ist schwanger.

Silvi: Also war klar, sie trinkt keinen Alkohol und sie hat mir das anvertraut,

Silvi: weil sie sozusagen ja auch eine Erklärung dafür geben wollte,

Silvi: dass sie keinen Alkohol trinkt und da hat sie auch gesagt, das ist halt noch

Silvi: so frisch und dass ich es bitte nicht erzähle, habe ich auch nicht gemacht gleichzeitig hat,

Silvi: Sehe ich auch bei dem Beispiel die Verantwortung bei ihr, weil sie hätte ja

Silvi: auch irgendwas sagen können.

Silvi: Also ja, es ist dann in dem Fall vielleicht eine Lüge zu sagen,

Silvi: ich nehme gerade irgendein Medikament, was ich nicht mit Alkohol verträgt oder

Silvi: was auch immer, wenn man sich überhaupt, das ist nochmal ein anderes Thema,

Silvi: dass man sich dafür überhaupt erklären muss, warum er gerade vielleicht keinen

Silvi: Alkohol trinken möchte.

Silvi: Genau, aber in der Situation, auch das ist ja eine Entscheidung,

Silvi: das jemandem anzuvertrauen oder eben irgendeine Art von Ausrede vorzuschieben.

Silvi: Und was wollte ich damit sagen? Faden verloren, du bist dran.

Timo: Nee, aber ich glaube, du kommst ja gerade auch von dieser Verantwortung,

Timo: was wir gesagt haben, dass man dem anderen Verantwortung oder Bürde auch über

Timo: dieses Wissen mit dem, was gerade los ist, mit der Schwangerschaft, ETC.

Timo: Also da kann ja auch immer irgendwas passieren es gibt ja auch gute Gründe,

Timo: das nicht Leuten zu erzählen oder das nicht weiter zu erzählen,

Timo: weil das natürlich noch mal eine Situation ist die auch,

Timo: manchmal scheiße ausgehen kann und dann hat man das der Verantwortung oder der

Timo: Bürde mitgegeben ich verstehe auf der anderen Seite auch warum man es erzählt

Timo: weil wenn man dann auch sagt man

Timo: möchte nicht lügen oder keine Notlügen einsetzen fühlt man sich schlecht,

Timo: und dann auch wieder vom Kontext ähm,

Timo: Ja, gute Freundin, der kann ich doch erzählen, der vertraue ich doch.

Timo: Und dann im Umkehrschluss, warum hast du mir das nicht erzählt,

Timo: es wäre doch okay gewesen.

Timo: Da gibt es ja verschiedene Sachen, die man sich dann auflädt und im Kopf vielleicht

Timo: auch erzählt die Geschichten, die Geschichte, die ich mir erzähle und hat dann

Timo: in die Richtung argumentiert. Aber ja, verstehe ich.

Silvi: Was ich dabei gerade denke, ist, dass das auch einfach viel damit zu tun hat,

Silvi: womit fühle ich mich wohl.

Silvi: Also fühle ich mich damit wohl, was zu teilen, ohne zu wissen,

Silvi: ob es dann wirklich in dem kleinen Kreis bleibt oder fühle ich mich wohler damit,

Silvi: das erstmal für mich zu behalten, dafür aber irgendwas anderes vorzuschieben,

Silvi: wenn ich denn glaube, ich müsste mich erklären.

Silvi: Weil das ist ja auch immer nochmal ein Aspekt, der mit reinfließt,

Silvi: muss ich das überhaupt oder glaube ich nur, dass ich das muss.

Timo: Und Zusatz auch nochmal, es ist auch nicht schlimm oder es ist okay,

Timo: Geheimnisse vor Partner oder auch Freunden zu haben.

Silvi: Ja stimmt, ich habe das dir damals nicht erzählt und das war dann in einem anderen

Silvi: Gespräch. Und ich war so, was, das hast du deinem Mann nicht gesagt?

Silvi: Und ich so, ja gut, es hieß,

Silvi: ich soll es nicht weitererzählen, dann gilt es halt bei mir für alle.

Silvi: Und ich mache da nicht den Unterschied, wie das Beziehungsverhältnis ist mit irgendwem.

Timo: Genau, und dann auch da wieder, das ist in Ordnung, da auch Geheimnisse zu haben.

Timo: Einmal den Punkt, den du ansprichst, plus manchmal kennt man sich ja auch selber

Timo: nicht oder weiß manche Sachen von sich nicht, weil man sich dem nicht bewusst

Timo: ist und dann kann man es dem anderen ja gar nicht erzählen.

Timo: Und das ist immer so auch irgendwie so schuldbehaftet so was,

Timo: du hast Geheimnisse vor deinem Partner oder vor deinen Freunden,

Timo: ja, what the fuck sage ich da, ja na klar jeder Mensch hat irgendwie Geheimnis

Timo: und das ist auch okay das ist nichts Schlimmes, das ist nichts was man verteufeln

Timo: muss, sondern das kann mit so vielen Perspektiven zu tun haben dass man Scham

Timo: hat dass man auch wirklich der anderen,

Timo: keine Bürde auflasten will dann behält man es für sich, das hatten wir auch

Timo: eben schon als Beispiel und davon finde ich das vollkommen in Ordnung.

Silvi: Ja, mir ist mein Faden auch wieder eingefallen.

Silvi: Das hatte jetzt nichts mit dem Beispiel zu tun, aber in dem Zusammenhang ist

Silvi: mir eingefallen, dass es ja auch oft Menschen gibt, die verpacken was als Geheimnis.

Silvi: Also erzählen was jemandem, aber sag es keinem.

Silvi: Und der Hintergrund ist nicht, dass es wirklich ein Geheimnis ist,

Silvi: sondern sie wollen diejenigen sein, die es jedem als erstes erzählen.

Silvi: Also so der Überbringer,

Silvi: Der Botschaft.

Timo: Da sind wir wieder bei Rampenlicht. Ich möchte im Rampenlicht stehen und aber

Timo: erzähl es keinem. Genau, erzähl es keinem.

Silvi: Damit ich es jedem erzählen kann.

Timo: Es ist so ein bisschen wie, wenn du auf kleineren Ortschaften bist und dann

Timo: so verschiedene Dinge die Runde machen, die man dann schön weitererzählen kann.

Timo: Aber erzähl es keinem. Da stellt man sich ja auch so ein bisschen heraus und hervor.

Timo: Und ja, kenne ich auch auf jeden Fall. Aber nochmal zurückzukommen zu diesem Partner.

Timo: Freunde verraten, Geheimnisse haben. Da finde ich auch ein gutes Beispiel.

Timo: Und wenn man zum Beispiel beim Standesamt sitzt, da wird man ja dann auch gefragt,

Timo: waren sie jemals verpartnert oder verheiratet?

Timo: Und wir haben es erzählt bekommen, ich weiß nicht, ob es von der Standesbeamtin

Timo: war oder noch von anderen, wo dann da die Leute gesessen haben und diese Frage

Timo: mit Ja beantwortet haben oder beziehungsweise der Partner hat geantwortet,

Timo: nee, nee, auf gar keinen Fall.

Timo: Und dann die andere Person, ja doch, doch, ich war schon mal verheiratet und

Timo: verpartnert und dann so, ich weiß gar nicht, wie man sich dann fühlt,

Timo: als derjenige, der dann nein gesagt hat oder ja, aber da fällt es halt auch

Timo: erstmal aus allen Wolken, aber auch da,

Timo: Es ist scheiße gelaufen, sage ich mal, wenn man dann da sitzt.

Timo: Entweder es geht gut oder es geht nicht gut.

Timo: Aber auch da, warum urteilen darüber? Vielleicht war es schambehaftet,

Timo: die Beziehung war nicht geil.

Silvi: Ja, man kennt den Kontext nicht. Vielleicht hat es einfach überhaupt gar keine Rolle mehr gespielt.

Timo: Ja, vielleicht ist es Jahrzehnte her und es war Jugend.

Silvi: Liebe, irgendwas.

Timo: Ach so, ja doch.

Silvi: Stimmt, ja, da war was.

Timo: Genau, Jugend, Liebe, irgendwas. Und dann, vielleicht hat man es,

Timo: schwer vorstellbar, ich weiß, vielleicht sehr weit hergeholt,

Timo: vielleicht hat man es bis dahin schon wieder vergessen oder wollte es vergessen, hat es verdrängt.

Timo: Und dann sitzt man, da kriegt diese Frage gestellt und muss dann halt mit Java fragen.

Silvi: Muss dann die alten Kamellen auspacken.

Timo: Muss die alten Kamellen von vor 30, von vor Anno Tubac wieder auspacken, ja, das stimmt.

Silvi: Glaubst du, dass Geheimnisse immer ans Licht kommen?

Timo: Oh, Glaubenssatz. Ich kenne den als Glaubenssatz. Geheimnisse kommen immer ans Licht.

Timo: Nein, also auch da, was du vorhin gesagt hast. Wenn du nicht willst und nicht

Timo: davon loslassen kannst, dann erzähl es halt keinem. Dann behalte es für dich.

Timo: Und in dem Fall kommt es nicht ans Licht.

Timo: Auch vielleicht ein fiktives Beispiel.

Timo: Du hast irgendwas gesehen, was sonst niemand gesehen hat, dann bist du in der

Timo: Stadt unterwegs, trifft den, keine Ahnung und hast was beobachtet und sonst

Timo: war keiner dabei und dann erzählst

Timo: du es keinem und dann ist es bei dir im Safe drin und dann war es das.

Timo: Aber ich glaube, dass wenn du es umkehrst, dass dieser Anspruch oder auch dieser

Timo: Punkt, dass die Menschen es sich bei sich behalten können, ist schwierig.

Timo: Für viele, viele schwierig, weil es ganz viele Sachen gibt mit Bürde und ich

Timo: möchte es im Rampenlicht, ich möchte es erzählen, ich gehe da rein,

Timo: dann halt meistens auch darüber sprechen,

Timo: gewinnt, würde ich mal sagen. Und deswegen kommen, glaube ich,

Timo: viele ans Licht, habe ich das Gefühl.

Silvi: Ein Punkt, bevor wir so zu unserer Klarheit-Summary kommen, ist mir noch eingefallen.

Silvi: Und zwar das Thema offene Geheimnisse.

Silvi: Ich glaube, das gibt es häufig in Familien, dass es,

Silvi: Dass es Themen gibt, die sind allen irgendwie bekannt und keiner spricht darüber.

Silvi: Also das würde mir zu offenem Geheimnis einfallen.

Silvi: Und ich habe mich gefragt, was ist der Grund dafür?

Silvi: Weil wenn es doch jeder weiß, warum spricht man nicht drüber?

Silvi: Aber dieses darüber sprechen generiert eigentlich einen Handlungsbedarf oder

Silvi: halt irgendeine Art von einer klaren Positionierung.

Silvi: Und Handlungsbedarf würde dann für mich auch bedeuten, die klare Positionierung

Silvi: zu sagen, ja, ich weiß, dass es so ist und ich möchte eben nichts tun.

Silvi: Also auch das ist ja eine Handlung in dem Sinn zu entscheiden,

Silvi: ich möchte nichts dagegen unternehmen und das glaube ich mehr die Schwierigkeit ist,

Silvi: überhaupt drüber zu sprechen und deswegen bleibt es lieber unter der Oberfläche,

Silvi: sozusagen als akzeptiertes, bekanntes Geheimnis.

Timo: In der Komfortzone bleiben.

Silvi: Um sich dem nicht stellen zu müssen.

Timo: Ja, natürlich, weil Gespräche unangenehm sein können in der Familie.

Timo: Nicht jeder Dinge auch ansprechen möchte, das ist aber auch vollkommen in Ordnung.

Timo: Ja, das ist auch ein guter Punkt über Geheimnisse.

Timo: Und ich habe auch noch einen Punkt, der, vielleicht hat man es auch schon zwischendurch

Timo: nochmal gesagt, Geheimnisse nicht ansprechen wird immer mit Lügen verbunden, habe ich das Gefühl.

Timo: Oder auch Wahrheiten zu verschweigen, aber ich finde das auch vollkommen in

Timo: Ordnung. Da sind wir wieder bei dem Durchbehalt für mich.

Timo: Ich möchte es keinem erzählen. Das kann auch okay sein.

Timo: Warum urteilt man dann, du hast mich doch gelogen.

Timo: Nicht erzählen ist nicht lügen. Das kann auch immer okay sein in einem Kontext

Timo: oder in der Situation, finde ich.

Silvi: Habe ich selbst noch nicht erlebt, kann ich mir aber vorstellen, dass es das gibt.

Silvi: Was nimmst du aus der heutigen Folge mit?

Timo: Was nehme ich heute aus der Folge mit? Geheimnisse, ein spannendes Thema,

Timo: aber dieses eine Wort Bürde ist bei mir sehr, sehr hängen geblieben,

Timo: weil es auch damit zu tun hat, Verantwortung auf andere manchmal auch abzuladen und mitzugeben.

Timo: Es bringt viele Probleme mit sich bei der Person, die es erzählt,

Timo: die es erzählt kriegt, weil man

Timo: auch viel, das ist ja auch mit viel Unsicherheit, glaube ich, verbunden.

Timo: Gerade wenn man nicht so genau drüber spricht, was kann ich erzählen,

Timo: was nicht, auch wenn es im Vertrauen ist.

Timo: Man hat es implizit versus explizit besprochen, was geht, aber auch nicht so

Timo: einfach, vorher jemanden zu fragen, ob er bereit ist, dieses Geheimnis mit sich zu tragen.

Timo: Ja, es ist ein großes Thema, kein einfaches Thema, aber fand auch spannende

Timo: Perspektiven, die wir jetzt mit reingebracht haben. Und bei dir?

Silvi: Für mich ist es eine Frage von sich abgrenzen.

Silvi: Also, in dem Moment, wo ich etwas mit einer anderen Person teile,

Silvi: dass ich ganz klar habe, in dem Moment, wo ich es erzähle, gehört es mir nicht mehr.

Silvi: Ich habe keinen Einfluss mehr darauf, was damit weiter passiert.

Silvi: Ob es unter uns bleibt, ob es weitererzählt wird, wie es weitererzählt wird,

Silvi: was Menschen daraus machen, ob es bewertet wird, verurteilt wird, whatever.

Silvi: Aber das hilft mir auf jeden Fall, mich da für mich abzugrenzen und auch diese

Silvi: bewusste Entscheidung zu treffen, was teile ich und was nicht.

Silvi: Und umgekehrt genauso die Abgrenzung, wenn ich eben das Gefühl habe,

Silvi: jemand arbeitet so darauf hin, dass ich sage, komm, erzähl es mir, erzähl es mir.

Silvi: Dass ich eher umgekehrt handel und sag, du, wenn es so schwer fällt, dann behalt es für dich.

Silvi: Oder du, wenn es nicht erzählen darfst, dann behalt es für dich.

Silvi: Also da ist, glaube ich, die Neugier bei mir nicht so stark ausgeprägt.

Silvi: Dass mir das auch leicht fällt, das zu sagen. Und dann denke ich,

Silvi: dann such dir jemand anders, der mit deinem Thema was macht.

Silvi: Ich nehme es dann einfach nicht. Es ist nicht mein Thema und ich will es auch nicht.

Timo: Zwei Punkte, die mir zu deinem, was du noch erzählt hast.

Timo: Wie man es weitererzählt, es läuft immer noch ein gewisser Filter,

Timo: das würde ich gerne noch zu meinem Fazit ergänzen.

Timo: Drüber von Mensch zu Mensch, der das dann weitererzählt und die Informationen

Timo: werden dann unvollständig.

Timo: Immer wenn man Geheimnisse für sich, wenn man die hört oder erfährt,

Timo: dann kann man auch davon ausgehen, dass die unvollständig sind, die sind gefiltert.

Timo: Wer weiß, was überhaupt davon sozusagen passt und was nicht mehr passt.

Timo: Zu viel dazu. So, sehr schön. Dann sage ich mal, vielen Dank fürs Zuhören.

Silvi: Vielen Dank fürs Zuhören.

Timo: Das war Coffee Care is Clarity. Euer Podcast, bei dem wir beim Kaffee trinken

Timo: unser Gedankenchaos sortieren, um Klarheit zu finden. Macht's gut. Tschüss.

Silvi: Tschüss.

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