#13 - Wann sind Lügen ok?
Shownotes
Hast du heute schon gelogen? In dieser neuen Folge von Coffee Chaos Clarity widmen wir uns einer Frage, über die selten ehrlich gesprochen wird: Wann sind Lügen eigentlich okay? Ausgelöst durch eine provokante Debatte in einer Radiosendung gehen wir der Sache auf den Grund: Schützen wir mit einer Lüge wirklich unser Gegenüber, oder geht es am Ende doch nur um unsere eigene Bequemlichkeit? Wir beleuchten die psychologischen Hintergründe – von der kindlichen Angst vor Konsequenzen bis hin zur gewagten These der Lüge als „sozialem Klebstoff“, der unsere Gesellschaft überhaupt erst zusammenhält.
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Silvi: Willkommen zur neuen Folge von Coffee Chaos Clarity, eurem Podcast,
Silvi: bei dem wir beim Kaffee trinken versuchen, das Gedankenchaos zu sortieren und Klarheit zu finden.
Silvi: Was ist unser Thema heute?
Timo: Interessant. Wann sind Lügen okay, ist das Thema heute? Und wie sind wir drauf gekommen?
Timo: Wir haben genau diese Frage im Radio gehört, die sich gestellt wurde und haben
Timo: gedacht, das ist doch ein tolles Thema zum Besprechen, weil es auch ein großes
Timo: Thema ist und weil mir, glaube ich, auch sehr viel uns dazu einfällt.
Silvi: Ja, ich erinnere mich an diesen Beitrag. Es war, ich weiß gar nicht,
Silvi: in irgendeiner Morningshow und die Hörer konnten sich melden.
Silvi: Und ein Hörer hat gesagt, Lügen wären okay, wenn die andere Person das nicht verkraftet.
Silvi: Und das hat mich ziemlich angepiekst, weil ich das ziemlich übergriffig und
Silvi: anmaßend fand, dass eine Person darüber entscheidet, was die andere verkraften kann.
Silvi: Also mir ist dazu auch gar keine Situation eingefallen.
Silvi: Na gut, wir wollen mal ein bisschen überlegen, vielleicht fällt uns doch was ein.
Silvi: Dieses Verkraften, was das sein sollte. Aber ich habe direkt gedacht,
Silvi: ja, das schützt ja wohl mehr den Überbringer der Nachricht, also der Typ,
Silvi: der das eben gesagt hat, weil natürlich, wenn er die Wahrheit sagt...
Silvi: Dann ist er ja der Überbringer einer obviously schlechten Nachricht und dann
Silvi: folgt ja wahrscheinlich auch ein für ihn unangenehmes Gespräch.
Silvi: Also was mich da dran halt gestört hat, war einfach diese Haltung von,
Silvi: ich mache das für jemand anderes, weil die andere Person es nicht verkraften kann.
Silvi: Und ich dachte so, nee, du schützt dich selbst, weil du keinen Bock hast auf
Silvi: ein unangenehmes Gespräch. Also es ist die eigene Bequemlichkeit viel mehr und
Silvi: insofern fand ich das überhaupt nicht okay.
Timo: Ja, mir fällt da so eine Situation ein, beziehungsweise so, wo ich mir vorstellen
Timo: kann, was vielleicht auch die Referenz war, also hypothetische Situation natürlich,
Timo: jemand hat sehr, sehr viel zu tun,
Timo: gestresst, sonst was und dann war vielleicht diese Situation darauf bezogen,
Timo: aber auch selbst dann ist es ja auch,
Timo: du entscheidest für die Person in dem Moment, ob du das jetzt erzählen kannst
Timo: oder nicht und wie sie damit umgeht. Es ist ja auch immer eine Sache.
Timo: Ich will nicht sagen, wie man das verkauft, sondern wie man das der Person erzählt,
Timo: wie man damit umgeht und wie man das in der Situation dann auch anwendet, glaube ich.
Silvi: Ja, ich habe mich vor allem gefragt, aus der Perspektive der belogenen Person
Silvi: ist es vermutlich nie okay.
Silvi: Also ich habe mich vielleicht auch ein bisschen an der Frage gestört.
Silvi: Ich dachte, gibt es Situationen, wo Lügen okay ist und ist Lügen dann auch die einzige Option?
Silvi: Also wir können es ja auch einfach die Klappe halten. Und dann sind wir vielleicht
Silvi: schon an dem Punkt zu sagen, was ist denn überhaupt eine Lüge?
Silvi: Ist sozusagen Information verschweigen?
Silvi: Ist es nicht auch so ähnlich wie eine Lüge?
Silvi: Das ist ja auch sehr individuell, wie man das bewertet.
Timo: Genau, das finde ich auch sehr, sehr individuell. Also das kann auch verschiedene Gründe haben.
Timo: Kontext geschuldet, der Person gegenüber geschuldet, wo du manche Sachen einfach nicht erwähnst.
Timo: Weil wenn du weißt, dass du es erwähnst, dann sage ich mal, wird es rausgeplappert oder sowas.
Timo: Da wird Drama draus gemacht, wo du sagst, okay, da habe ich jetzt gerade keinen Bock drauf.
Timo: Aber dann ist es für mich keine Lüge, ehrlich gesagt, sondern dann bewertet
Timo: man das in der Situation. Okay.
Silvi: Ja, ich denke, dass das Wesentliche ist, dass halt jede Handlung eine Konsequenz hat.
Silvi: Also wenn du lügst, vor allem wenn es rauskommt, das hat Konsequenzen.
Silvi: Wenn du die Wahrheit sagst, es hat auch Konsequenzen. Also es ist in dem Moment
Silvi: ja eine Abwägung, was für dich in der Situation der bequemere Weg ist.
Silvi: Und ich sage bewusst nicht das Schlimmere, weil ich glaube, es geht ganz oft um Bequemlichkeit.
Silvi: Wenn man jetzt im Worst Case denkt, ist es wahrscheinlich selten super schlimm,
Silvi: sondern eher, es knirscht halt ein bisschen, es wird unbequem,
Silvi: wenn ich das jetzt sage und so.
Timo: Es kostet aber auch eine gewisse Energie, sich damit auseinanderzusetzen.
Silvi: Auf jeden Fall.
Timo: Und ich habe immer so das Gefühl oder denke, es kostet weniger Energie,
Timo: in diesen Lügenmodus zu verfallen, obwohl das glaube ich Bullshit ist.
Silvi: Ja, dann ist ja auch Bequemlichkeit.
Timo: Ja, aber das ist eigentlich Bullshit, weil eine Lüge aufrechtzuerhalten,
Timo: an alle Konsequenzen zu denken, kostet ja auch viel mehr Energie oder richtig viel Energie.
Silvi: Ja, und natürlich, wenn es rauskommt, also definitiv büßt du Vertrauen ein.
Timo: Also die Kosten, die Konsequenzen sind sehr, sehr hoch, das stimmt.
Timo: Und das kann auch schon bei kleinen Sachen sein. Also vermeintlich kleinen Sachen,
Timo: wo man gar nicht weiß, wie die andere Person darüber denkt oder gut,
Timo: vielleicht auch schon erfahren hat, wie die darüber denkt, kann die Konsequenz
Timo: doch zum x-ten Mal richtig hoch sein. Und das kostet richtig viel Energie.
Timo: Aber wie gesagt, Beobachtung, es geht dann relativ schnell in diesen Lügenmodus rein,
Timo: wo man vielleicht auch in der Gesellschaft das verankert ist,
Timo: dass man es schon von klein auf kennt und weiterspinnt und dann halt auch wie aus dem FF anwendet.
Silvi: Weil du gerade sagst, Gesellschaft, es ist vielleicht auch ein kultureller Unterschied.
Silvi: Also das war noch so ein Gedanke, den ich hatte, dass,
Silvi: ja, wenn ich mich richtig erinnere, ist das eher so im asiatischen Raum,
Silvi: wo es unüblich ist oder so das Gefühl von, man verliert sein Gesicht,
Silvi: wenn man sagt, ich weiß es nicht.
Silvi: Also du fragst jemanden nach dem Weg, wo geht es denn da und da lang,
Silvi: die Person weiß es vielleicht gar nicht, erklärt dann aber irgendwas,
Silvi: um nicht dumm dazustehen.
Silvi: Und auch das ist ja was, wo du jetzt eigentlich sagen könntest,
Silvi: wenn du es schwarz oder weiß betrachtest, ist eine Lüge, jemand erfindet in dem Sinn was.
Silvi: Bei der KI heißt es, die halluziniert, wenn sie irgendeinen Quatsch erzählt,
Silvi: die sagt ja auch nicht, ich weiß es nicht.
Timo: Ja.
Timo: Das ist übrigens schön, wenn man hört sich gerade eine Notlüge aus irgendwelchen
Timo: Gründen. Nee, nee, ich habe nicht gelogen, ich habe halluziniert.
Timo: Die Kali macht das doch auch. Warum darf ich das nicht?
Silvi: Ja, weil du hast es jetzt gerade so gesellschaftlich, wie man sozialisiert ist
Silvi: und das kann durchaus ja auch einen Einfluss darauf haben,
Silvi: wie man in so einer Situation reagiert und auch wie es von der anderen Seite her bewertet wird.
Silvi: Weil ich glaube, wenn du in dem gleichen kulturellen Umfeld genauso sozialisiert
Silvi: bist und findest du natürlich irgendwann raus, Mist, die Person hat mir einen falschen Weg gesagt,
Silvi: denkst jetzt aber nicht, oh, die hat mich angelogen, sondern verstehst dann,
Silvi: ah ja, okay, die wollte das Gesicht nicht verlieren, weil kennt den Weg nicht.
Timo: Ja gut, aber du musst erst mal drüber nachdenken. Ich bin jetzt hier in einer
Timo: alten Kultur und warum hat die mir jetzt nicht erzählt?
Silvi: Für uns schon.
Timo: Da kommt man erst mal nicht drauf, wenn man in dem System nicht lebt.
Silvi: Also mein Take ist, ich frage mindestens zwei bis drei Personen und gucke mal,
Silvi: wo da die Schnittmenge ist.
Timo: Ja gut, klar, das kann man natürlich auch machen, wenn man das einmal erlebt,
Timo: dann daraus zu lernen und eine Konsequenz abzuleiten.
Silvi: Lieber nochmal ein Double- und Triple-Check.
Timo: Ja, auf jeden Fall. Wir hatten auch im Vorgespräch nochmal recherchiert,
Timo: da gab es einen tollen Spiegelartikel dazu und der Überschrift Psychologie,
Timo: deshalb lügen Menschen, was da interessant war.
Timo: Da war auch eine Perspektive drin, dass Lügen überlebenswichtig für eine Gesellschaft
Timo: ist. Das finde ich eine sehr steile These.
Silvi: Ja, halte ich für unwahr. Für eine Lüge.
Timo: Das halte ich für eine Lüge. Es gab Studien dazu, das war auch durch Studien belegt.
Timo: Dass es natürlich da auch verschiedene Extrempunkte gibt, notorische Lügen gibt
Timo: es, die dann auch irgendwann auffliegen und die dann natürlich nie als Klebstoff dienen.
Silvi: Wieso sagst du als Klebstoff?
Timo: Achso, warum sage ich als Klebstoff? Weil, genau, und das war ein bisschen vorgegriffen,
Timo: es Menschen gibt, die ab und zu lügen, das so in der Balance halten, im Gewicht halten.
Timo: Und da war der Take oder die Aussage, diese Menschen halten diese Gesellschaft
Timo: als Klebstoff zusammen.
Silvi: Hast du da ein Beispiel dafür?
Timo: Dass die, ja, also zum Beispiel übertriebene Komplimente an andere die vielleicht
Timo: aus ihrer eigenen Sicht auswählen.
Silvi: So übertriebene Komplimente im Sinne von?
Timo: Dein Outfit ist so toll, deine Haare beim Friseur, das war so schick und so geil.
Timo: Und natürlich fühlen sich dann die anderen Personen gesehen,
Timo: wenn man da übertreibt oder auch vielleicht anlügt.
Timo: Und dann baust du Vertrauen auf und das ist so ein bisschen der Klebstoff,
Timo: der dadurch entstehen kann.
Timo: Und das finde ich jetzt, wenn ich darauf blicke, irgendwie positiv besetzt, muss ich ehrlich sagen.
Timo: Weil der Folgentitel ist ja Wann sind Lügen okay, wenn es als Klebstoff dient,
Timo: um auch, dann vielleicht ist es eine kleine Lüge, das in Ordnung sich zu fühlen.
Silvi: Du würdest sagen, nee, das sieht super toll aus, obwohl du es gar nicht so empfindest.
Timo: Ja, genau, weil wenn du es umdrehst und dann vielleicht, jetzt nehmen wir mal
Timo: an, alle sagen immer die Wahrheit, oh Gott, sieht das scheiße aus.
Timo: Mann, wie warst du wieder beim Friseur? Gott, kannst du mir nicht mal die Zähne
Timo: putzen? Wie siehst du denn aus?
Timo: Oder auch so Mundgeruchssachen, so weißt du. Viele sagen dann vielleicht gar
Timo: nicht, oh Gott, stinkst du?
Timo: Was ist denn da los? Oder wenn man an der Arbeit ist, das wird man dann auch
Timo: niemand sagen und dann lügt man eher.
Silvi: Ich finde, das ist jetzt sehr schwarz-weiß. Da gibt es ja auch sehr viel dazwischen.
Silvi: Wenn du jetzt gerade den Klebstoff ansprichst.
Silvi: Also mal angenommen, jemand kommt mit einem neuen Outfit und ich würde denken,
Silvi: sieht nicht so gut aus oder steht der Person nicht so gut. Das ist ja erstmal meine Bewertung.
Silvi: Wenn es mir jetzt aber darum geht, eine gute Verbindung herzustellen,
Silvi: dann kann ich ja zum Beispiel auch fragen, wo hast du das gekauft oder ist es
Silvi: für einen bestimmten Anlass oder gab es das vielleicht im Angebot?
Silvi: Also es geht ja dann darum, ins Gespräch zu kommen.
Silvi: Deswegen muss ich nicht zwingend sagen, ah, das sieht so super toll aus,
Silvi: obwohl ich denke, naja, geht so.
Timo: Da bin ich wieder bei Typ Mensch, wenn der andere gegenüber das sehr braucht,
Timo: gesehen zu werden und es sich darüber definiert und dann du die Frage stellst,
Timo: wann und wo oder wo hast du es denn gekauft und so und da gar keine Connection
Timo: herkriegt, dann hilft das auch nicht in dem Fall. Das ist auch eine Menschfrage.
Silvi: Finde ich. Ich glaube, ich verzichte dann eher auf den Klebstoff,
Silvi: bevor ich so einen Quatsch erzähle.
Timo: Es gibt ja auch den Glaubenssatz, die Menschen wollen belogen werden.
Timo: Manche Menschen wollen belogen werden. Ich weiß nicht, ob das zutrifft.
Timo: Aber du weißt, was ich meine.
Timo: Die dieses Gesehenwerden brauchen und dann auch diese vermeintlichen Lügen. Du siehst so toll aus.
Timo: Das ist so geil. und den Schmeichel, der Umkehrschluss, die brauchen das,
Timo: weiß ich nicht, ob das wahr ist oder nicht wahr ist oder ob das gut ist.
Timo: Aber dieses Phänomen kenne ich auch oder habe ich schon gesehen.
Silvi: Beobachtet.
Timo: Das ist so dieses Klebstoff-Gedanken, den man in die eine oder andere Richtung
Timo: sehen kann. Das fand ich interessant, definitiv.
Silvi: Ja, ich habe überlegt, was ist denn ein Grund zu lügen? Wir hatten ja auch darüber
Silvi: gesprochen, dass man bei Kindern oder Kinder lernen, relativ früh zu lügen.
Silvi: Beispiel, wenn sie Angst haben vor Konsequenzen oder dass sie geschimpft bekommen.
Silvi: Und da erinnere ich mich auch dran, als ich Kind war, dass ich in der Situation
Silvi: gelogen habe, also gesagt habe, nee, ich habe nichts gemacht,
Silvi: weil ich Angst hatte, dass geschimpft wird.
Silvi: Das kennen wahrscheinlich alle Kinder.
Silvi: Ja, und jetzt im Vorfeld auf diese Folge habe ich halt überlegt,
Silvi: was motiviert jemanden zu lügen.
Silvi: Und ich bin eigentlich immer auf Bequemlichkeit gestoßen.
Silvi: Also die Bequemlichkeit, weil ich Angst habe vor einem möglichen Konflikt oder
Silvi: der nach sich ziehenden Diskussion, Vielleicht auch aus Scham.
Silvi: Ja, was irgendwie auch, also bevor ich mich da hinstelle und mich schäme,
Silvi: gehe ich lieber den bequemen Weg und lüge.
Silvi: Oder auch das, was eben der Aufhänger war mit der Radiosendung,
Silvi: dass die Person gesagt hat, ja, sie schützt eine andere Person mit der Lüge.
Silvi: Und da sage ich halt, das ist doch auch eine Bequemlichkeit.
Silvi: Du gehst in einer unangenehmen Situation aus dem Weg.
Timo: Auch so, dass wir gerade versagen. Ich habe versagt.
Silvi: Ja, es geht glaube ich auch in die Richtung Scham.
Timo: Ja, stimmt.
Silvi: Und ich habe mal recherchiert, Hauptgründe, warum Menschen lügen.
Silvi: Da kommen sechs Hauptgründe raus.
Silvi: Selbstschutz und Angst.
Silvi: Konfliktvermeidung, soziale Gründe, also Notlügen, um Gefühle anderer nicht
Silvi: zu verletzen, so eine Höflichkeit oder vermeintliche Höflichkeit,
Silvi: sozialer Friedenwaren. Dieser Klebstoffgedanke so ein bisschen.
Silvi: Aber auch Vorteilsnahme und Manipulation, also so eine bewusste,
Silvi: aktive Täuschung, was man ja immer wieder erlebt mit diesen ganzen Scam-Anrufen zum Beispiel.
Silvi: Oder auch eine Aufwertung des Selbstbilds, also Beispiel Leute,
Silvi: die irgendwie ihren Lebenslauf faken, ein Diplom, einen Doktortitel oder sonst
Silvi: was vorlegen, was sie gar nicht haben.
Silvi: Und auch psychologische Ursachen, wenn das so eine Art Bewältigungsstrategie,
Silvi: irgendwie erlernt worden ist.
Timo: Gerade diese Aufwertung des Selbstbildes, auch gerade in den sozialen Mädchen
Timo: heutzutage, ist ja schon sehr, sehr groß, finde ich.
Timo: Es hat einen sehr großen Stellenwert, diesen Aufwertungen.
Timo: Und ach ja, ich bin hier im Pool, ich bin hier am Wasserfall.
Timo: Das ist schon, und das verstärkt noch diesen, es muss nicht unbedingt Lügen
Timo: sein, Das kann auch Übertreibung sein, muss man schon sagen.
Timo: Das finde ich sehr ausgeprägt heutzutage in der Gesellschaft.
Silvi: Es gibt ja auch diesen Spruch, fake it till you make it.
Timo: Ja.
Silvi: Also was ja ganz aktiv eigentlich sagt, ja, erzähl doch sozusagen das Zielbild, ohne schon da zu sein.
Timo: Ja. Das geht aber, das ist so ein Zwischending aus...
Timo: Ja, Aufwertung des Selbstbildes, aber nicht unbedingt alles erzählen.
Timo: Das ist so eine Mischung aus dem, ja, ich muss ja nicht alles erzählen,
Timo: dass wir noch nicht da sind.
Timo: Aber das ist vielleicht so ein bisschen, ich habe das euch doch als Vision verkauft
Timo: und habe gar nicht gesagt, dass wir das machen.
Silvi: Also im Sinne von Täuschung eher anstatt aktive Lüge.
Timo: Täuschung, aktive Lüge. Ich will nur sagen, es ist so, und das gibt es auch,
Timo: dieser Übergang ist auch fließend, würde ich.
Timo: Und da würde ich den Menschen, die so dieses Fake it until you make it,
Timo: noch nicht mal böse Absicht unterstellen. Die haben vielleicht ein Ziel.
Timo: Das kann als böse Absicht sein. Also es gibt bestimmt auch beide extreme Mittel.
Timo: Aber es kann auch ein Stilmittel sein, um natürlich sein Produkt voranzubringen, zu pushen.
Timo: Und natürlich in der Business-Welt ist heute sehr, sehr alles sehr, sehr shiny.
Timo: Das Ausgibtproblem ist ja auch sehr verpönt.
Silvi: Ja, hat dann auch was mit dem Umgang mit Fehlerkultur zu tun.
Timo: Genau, da gehen wir auch wieder in die Richtung an der Arbeit,
Timo: Fehlerkultur. Wie wird das gelebt und vorangetrieben?
Silvi: Dass das Menschen eher als Ausweg sehen zu lügen. Weil ja, wie die Kindssituation,
Silvi: die Angst vor Konsequenzen.
Timo: Konsequenzen versagen auch im Business-Kontext, sind natürlich sehr groß.
Timo: Und dann geht man eher in die Richtung und sagt, bevor ich hier versage oder
Timo: als Loser dastehe, dann ist, ja, das ist sehr präsent.
Silvi: Aber was ich gerade merke, es geht sehr stark in die Richtung,
Silvi: zum einen zu definieren, was ist denn eine Lüge oder wann fängt die Lüge an?
Silvi: Also ist Verschweigen schon die Lüge, ist so ein bisschen mehr shiny und Interpretationsspielraum
Silvi: lassen ist das auch schon eine Lüge, so diese Abgrenzung.
Silvi: Und auch zum anderen, siehst du keine andere Möglichkeit. Das ist für mich auch so die Frage.
Silvi: Wenn wir wieder zurückkommen auf dieses Beispiel von jemand kauft sich neue
Silvi: Klamotten und ich finde die jetzt nicht so toll, muss ich wirklich sagen,
Silvi: oh ja, super, total schick?
Silvi: Oder kann ich nicht einfach trotzdem mit der Person in Kontakt sein, ohne sie zu belügen?
Silvi: Und ich glaube, da gibt es ganz viel dazwischen und das ist vielleicht eher
Silvi: so eine Handlung, ohne nachzudenken, je nachdem, was ich gelernt habe.
Silvi: Also, dass ich eigentlich ein Muster abrufe im Sinne von, ich erzähle dir zum
Silvi: Beispiel, hey, das habe ich mir neu gekauft und du denkst dann,
Silvi: du müsstest das jetzt kommentieren, dass das meine Erwartung ist.
Silvi: Aber musst du ja gar nicht. Solange ich dich nicht aktiv frage,
Silvi: wie findest du es, könntest du dir einen Kommentar dazu ja auch einfach sparen.
Timo: Aber ich glaube auch, das stimmt. Aber so diese Annahme, dass man dazu jetzt
Timo: was sagen muss, ist sehr weit verbreitet.
Silvi: Voll.
Timo: Vielleicht ist das auch was Menschliches, so sehen und gesehen werden.
Timo: Das spricht viele an. Das zieht viele an.
Timo: Ich muss nichts dazu sagen, erst wenn ich gefragt werde. Das sehe ich nicht
Timo: so oft, ehrlich. gesagt.
Silvi: Naja, du kannst was dazu sagen, aber halt nicht genau das, weil das wurdest du nicht gefragt.
Silvi: Deswegen sage ich ja, es gibt irgendwie auch sehr viel dazwischen, ohne zu lügen.
Timo: Ja, aber das kostet Energie, da hinzugehen. Also das fühlt sich nicht so natürlich
Timo: an, so wie wir es im gesellschaftlichen Alltag leben, beigebracht kriegen.
Timo: Wir waren sehr viel von Kindesbeinen aufwärts, auch dann im Beruf.
Timo: Wir haben sehr, sehr viele Beispiele, wo dann irgendwie so dieses Lügen im Vordergrund steht.
Silvi: Echt, für mich fühlt sich das total unnatürlich an. Ich so denke,
Silvi: es hat mich keiner gefragt, warum spare ich mir das nicht einfach?
Timo: Ja, genau, also verstehe ich, dass du das sagst und fühle ich auch.
Timo: Aber gelebter Alltag, so wie man es sieht oder zumindest so wie ich es empfinde
Timo: und Perspektive sehe, sehe ich es anders.
Timo: Also sehe ich es anders. Das ist eher dieses Bequemlichkeit,
Timo: was du gesagt hast, da in die Richtung geht.
Timo: Und eigentlich mehr Energie braucht dann dieses Bewusstmachen.
Timo: Okay, dann brauche ich doch gerade jetzt gar nichts zu sagen,
Timo: hat mich doch gar nicht gefragt.
Silvi: Und du hast es eingangs als Klebstoff bezeichnet.
Silvi: Und jetzt, wie du das gerade so erklärst, was du für Beobachtungen hast,
Silvi: denke ich dir, boah, bei mir wächst gerade das Misstrauen.
Silvi: Als ich denke, wie ehrlich ist das überhaupt gemeint?
Timo: Wie ehrlich ist was gemeint?
Silvi: Naja, wenn jetzt jemand sagt, hey, schicke Hose, schickes Kleid,
Silvi: A, was bei Friseur, tolle neue Frisur, irgendwas in der Art.
Timo: Aber das hängt ja stark vom Kontext ab. Welcher Mensch dir gegenüber steht?
Timo: Kennst du den gut, kennst du den schlecht? Was für eine Art Mensch ist das?
Timo: Also so eine generelle Sicht.
Silvi: Aber in dem Moment, wo ich jetzt halt denke, wird es vielleicht nur so dahingesagt,
Silvi: fördert es eher bei mir Misstrauen. Ähm,
Silvi: bin ich vielleicht aber auch sehr stark einfach der Fan von Legs auf den Tisch oder halt die Klappe.
Silvi: Von mir aus wähle zwischen den beiden Optionen.
Silvi: Vorhin hast du auch das Beispiel gesagt, jemand hat Mundgeruch.
Silvi: Das ist ja ein Unterschied, ob du sagst, hast du dir heute überhaupt schon die Zähne geputzt?
Silvi: Oder ob du jemanden dezenter drauf hinmeist, mir ist gerade was aufgefallen,
Silvi: dann magst du vielleicht ein Kaugummi oder ein Bonbon oder so haben.
Silvi: Also man kann das ja auch sehr diskret übermitteln.
Timo: Ein Taktgefühl, ja.
Silvi: Genau, oder eben einfach die Klappe halten. Aber auch da ist meine Strategie
Silvi: halt eher, ich möchte ja nicht, dass es für die andere Person weiterhin vielleicht
Silvi: unangenehm ist und jemand hinter dem Rücken dann sagt, boah.
Silvi: War ein bisschen müffelig oder so.
Timo: Ja, oder man ist ja auch im Umkehrschluss auch froh, wenn man das selbst gesagt
Timo: bekommt. Weißt du, dann eigentlich...
Silvi: Genau, ist unangenehm, auf jeden Fall. Aber danke, kann ich was damit anfangen.
Timo: Genau, das finde ich für mich immer das Leitbild. Wenn ich jetzt Mundgeruch
Timo: habe oder sonst irgendwas, die Hose, Fleck, ist doch super, wenn man dann einfach
Timo: was gesagt kriegt oder dann nicht angelogen wird oder sowas.
Timo: Ja, das finde ich auf jeden Fall nochmal wichtig.
Silvi: Was würdest du sagen, was ist dein Take aus dieser Folge?
Timo: Mein Take aus dieser Folge, ja, es ist so ein bisschen, was ich gerade so zum Schluss gesagt habe.
Timo: Es ist Lügen, es sind oft präsent, es ist ein Riesenthema.
Timo: Aber ich glaube, wenn man sich damit mal beschäftigt, versucht eine klare Sicht
Timo: zu entwickeln, so wie du das gerade gesagt hast, ist es definitiv immer die
Timo: nachhaltigere Lösung, das nicht zu tun.
Timo: Und ich habe aber das Gefühl, dass es im Unterbewusstsein bei vielen sehr feststeckt,
Timo: dass es keine Strategie, sondern eine Lösung ist, schnell aus Sachen Bequemlichkeit
Timo: rauszukommen und das weniger Energie erfordert.
Timo: Aber es ist nicht die nachhaltigere Lösung und es kostet mehr Energie,
Timo: sich diese nachhaltigere Lösung zu beschäftigen und was selbst für einen lügen,
Timo: wie okay das für einen ist, Menschenkontext, das abzubilden, es kostet viel Energie.
Timo: Was ist dein Take-away?
Silvi: Ja, ich bleibe bei der Aussage, Lügen ist Bequemlichkeit.
Silvi: Ich glaube, nur die Motivation dahinter ist unterschiedlich,
Silvi: warum das als bequemer Lösungsweg empfunden wird.
Silvi: Und ja, es ist vielleicht in einem gewissen Rahmen auch akzeptiert,
Silvi: obwohl das wahrscheinlich nie jemand so offen direkt sagen würde.
Silvi: Ja, ist okay, wenn du mich anlügst, hauptsache es fühlt sich gut an oder so.
Silvi: Das würde wahrscheinlich nie jemand sagen. Niemals.
Silvi: Genau, deswegen ist vielleicht auch die Frage immer, was ist deine persönliche
Silvi: Definition von Lüge? Wann fängt das für dich an?
Silvi: Und wo sagst du, nee, komm, lieber den unbequemen Weg, weil es fördert auch das Vertrauen.
Silvi: Das ist dann eben ein viel stärkerer Klebstoff als diese oberflächliche Bewertung von,
Silvi: Klamotten, Aussehen, irgendwas.
Timo: Ich glaube, das ist ein schöner Weg. Sorry, wenn ich da nochmal für sich definieren.
Timo: Vielleicht ist ja für einen persönlich okay zu lügen. Das kann ja jeder für
Timo: sich packen. Aber was ist denn für dich wichtig? Wann möchtest du nicht angelügend werden?
Timo: Und in welchem Kontext kannst du das anwenden oder auch nicht?
Timo: Das ist der erste Weg, glaube ich, um da eine Klarheit für sich zu finden.
Silvi: Sehr schönes Schlusswort, lieber Timo.
Timo: Ja, vielen Dank, liebe Sylvie.
Silvi: Vielen Dank fürs Zuhören. Das war es schon wieder mit unserer Folge Coffee Chaos
Silvi: Clarity, eurem Podcast, bei dem wir beim Kaffee trinken, unser Gedanken Chaos
Silvi: sortieren, um Klarheit zu finden.
Timo: Vielen Dank. Tschüss.
Silvi: Tschüss.
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