#19 - Angst, Sorge, Furcht – wo ist der Unterschied?
Shownotes
Schwitzige Hände, Herzklopfen, schnellerer Atem – kennst du diese körperlichen Signale, wenn dich die Angst überkommt? Und ist das eigentlich dasselbe wie Sorge oder Furcht? In dieser Folge nehmen wir uns nochmal genauer vor, was wir in Folge "#8 - Was bedeutet Mut?" nur gestreift haben.
Was passiert, wenn jemand einem sagt "brauchst doch keine Angst zu haben"? Warum schadet das oft mehr als hilft? Wir sortieren die Begriffe, sprechen über körperliche Reaktionsmuster und darüber, warum manche Ängste sich überhaupt nicht rational erklären lassen. Und am Ende drehen wir den Blick nochmal um: Angst als Schutzfunktion, als Preis der Freiheit, vielleicht sogar als Wachstumschance.
Schnappt euch einen Kaffee und hört rein – vielleicht erkennt ihr euch in der ein oder anderen Reaktion wieder.
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Silvi: Willkommen zur neuen Folge von Coffee Chaos Clarity, eurem Podcast,
Silvi: bei dem wir beim Kaffee trinken versuchen, das Gedankenchaos zu sortieren und Klarheit zu finden.
Silvi: Timo, was ist unser Thema heute?
Timo: Unser Thema heute ist Angst und ich bin schon ganz zittrig.
Timo: Warum Angst? Ja, wir haben in einer unserer Folgen, die Mut hieß,
Timo: auch schon über Angst geredet und wollen das heute nochmal vertiefen.
Timo: Da habe ich auch zum Beispiel das Thema Flugangst schon erwähnt,
Timo: die ich habe und das auch da nochmal das Wort Furcht mit reingebracht.
Timo: Und ich würde daher mit einer Abgrenzung starten und Furcht vor der Angst abgrenzen als Begriff.
Timo: Und Furcht ist aus meiner Sicht, es richtet sich auf etwas Konkretes.
Timo: Ich habe Furcht vor einem Hund, ich habe Furcht vor einer Prüfung und Angst
Timo: entsteht alleine daraus, dass etwas passieren könnte. Das wäre für mich die Abgrenzung.
Silvi: Okay, finde ich interessant, weil ich hätte jetzt spontan gesagt,
Silvi: Furcht und Angst, das ist das Gleiche.
Silvi: Und dieses, es könnte was passieren, ist eher Sorge.
Silvi: Also Sorgen machen, dass,
Silvi: jemand einen Unfall hat oder sowas. Jemand kommt vielleicht später als verabredet
Silvi: und dann mache ich mir Sorgen, oh, ist irgendwas passiert.
Timo: Also praktisch so, ich würde es mal so als Denkprozess und was wenn,
Timo: was wenn bezeichnen, ist das für dich die Sorge?
Silvi: Ja, direkt so ein Gedankenkarussell, also das kann ja auch tatsächlich sein,
Silvi: dass man sich da richtig reinsteigert und...
Silvi: Und das dann vielleicht auch schon körperlich spürbar ist. Also so wie bei der richtigen Angst.
Silvi: Die ist körperlich spürbar, dass man zum Beispiel, du hast glaube ich auch schon
Silvi: gesagt, hier schwitzige Hände.
Silvi: Oder man bekommt Herzklopfen oder,
Silvi: atmet schneller. Das sind ja alles körperliche Symptome von einer Angstsituation.
Timo: Okay, also Angst findet körperlich statt.
Silvi: Ja.
Timo: Und Sorge, wie du sagst, dann im Kopf, was wenn?
Timo: Und wenn ich dich richtig verstanden habe, ist Furcht dann auch nochmal so im
Timo: Kopf eher verortet, oder?
Silvi: Nee, Furcht wäre für mich eigentlich gleichbedeutend mit Angst,
Silvi: nur ein anderes Wort dafür.
Silvi: Also mag sein, dass man das vielleicht noch mehr differenzieren kann,
Silvi: aber mir fällt jetzt auch kein passendes Beispiel ein, wo ich sagen würde,
Silvi: ja, da nenne ich es Furcht und da nenne ich es Angst.
Silvi: Das ist vielleicht eher so, welches der vertrautere Begriff ist.
Timo: Okay, verstehe.
Silvi: Ich glaube, ich benutze das Wort Furcht einfach gar nicht, sondern würde immer
Silvi: sagen, ich habe Angst vor diesem Leben.
Timo: Verstehe ich, ich fühle das auch komplett, was du sagst, was ich am Anfang der
Timo: Abgrenzung gesagt habe.
Timo: Es gilt für mich immer noch, aber ich tendiere auch, das so zu sehen wie du.
Timo: Also ich habe da keine Balance oder kleine klare Tendenz, muss ich ehrlich sagen.
Timo: Was mich bei dem Sorgepunkt nochmal interessieren würde, ist,
Timo: was wenn, was wenn und kann man da für sich im Kopf auch so Handlungen ableiten?
Timo: Also was, wenn ich einen Unfall habe?
Timo: Keine Ahnung, konkret ist ein Autounfall. Dann muss ich das und das machen,
Timo: dann kann ich das und das, dann mache ich schnell dies und das.
Timo: Denkst du, das senkt die Ängste oder weil du dann so konkrete Handlungsempfehlungen
Timo: daraus ableiten kannst? Ich weiß nicht.
Silvi: Ich glaube, es gibt einem das Gefühl von Kontrolle über die Angst.
Silvi: Also jetzt, um bei dem Beispiel zu bleiben, du hast Angst, dass ein Unfall passiert,
Silvi: und durchdenkst es sozusagen im Kopf.
Silvi: Also, ja, hast dann diese Handlungsableitung und sagst, ah ja,
Silvi: dann mache ich das und das und ich fahre immer langsam, ich halte mich an die Verkehrsregeln.
Silvi: Regeln, ich trinke keinen Alkohol, wenn ich noch fahre oder sowas.
Silvi: Also du versuchst das zu minimieren, aber das schließt es ja leider trotzdem
Silvi: nicht aus, dass was passiert.
Silvi: Es gibt dir aber das Gefühl von ich habe einen großen Einfluss drauf.
Timo: Ja, was ich dann meine ist, dass glaube ich dann diese Körperlichkeit,
Timo: wenn dieser Angstzustand kommt, du bist im Auto oder du siehst in dem Moment,
Timo: wo du Unfall passiert hast, riesige Angst Und dass sich das verringert,
Timo: diese Körperlichkeit bei der Angst.
Timo: Weil wir haben ja schon in vielen Folgen über Kopf und du hast Gedankenkarussell
Timo: gesagt, dass das ein bisschen dadurch reduziert wird und die körperlichen Effekte
Timo: nicht so groß sind vielleicht.
Silvi: Vielleicht. Es kann aber auch genauso gut umgekehrt sein, dass du in so eine,
Silvi: Spirale reinkommst und dich in so eine Situation immer mehr reinsteigerst,
Silvi: obwohl es dafür gar keinen konkreten Anlass gibt.
Timo: Mhm.
Silvi: Also da sind wir wieder bei dem Beispiel, jemand kommt einen Tick zu spät und
Silvi: du bist direkt in diesem Gedankenkarussell drin,
Silvi: es muss was Schlimmes passiert sein, sonst hätte die Person ja schon längst
Silvi: Bescheid gesagt und malst dir die schlimmsten Szenarien aus.
Silvi: Also ich finde, das kann auch komplett in die andere Richtung gehen und,
Silvi: was mir an der Stelle auch gerade noch einfällt, es gibt ja tatsächlich auch,
Silvi: eine krankhafte Angst und das möchte ich jetzt gerade davon abgrenzen,
Silvi: sondern sagen, wir reden hier von der Angst, die jeder kennt und nicht von Situationen,
Silvi: die schon krankhaft sind.
Timo: Wo man ein Krankheitsbild ganz konkret hat. Genau, also Alltags,
Timo: wenn man das so nennen kann, eine Alltagsangst.
Silvi: Ja, weil ich finde es insofern wichtig, wenn es eben eine krankhafte Angst ist, dann
Silvi: kann man auch nicht davon sprechen, wie man das irgendwie eindämmt oder so,
Silvi: sondern ich glaube, dann brauchst du tatsächlich professionelle Hilfe,
Silvi: und nicht hier einen Podcast,
Silvi: wo dir jemand erzählt, wie er
Silvi: mit seiner eigenen Angst umgeht und das ist das Rezept für alle oder so.
Timo: Nee, genau. Das hat man ja auch in der Mutfolge, dass das auch individuell ist.
Timo: Ja, super individuell. Also voll individuell und da das auch so okay ist.
Timo: Ich würde noch einen Punkt trotzdem kurz dazu einblenden, weil ich den auch wichtig finde.
Timo: So Angst als Preis der Freiheit, was du gerade gesagt hast, zu Ungewissheiten,
Timo: wenn die schwer auszuhalten sind, dann,
Timo: Ist schwieriger vielleicht, als eine sichere Nachricht zu haben,
Timo: wo du gerade gesagt hast, die Person kommt zu spät, man hat keine Nachricht.
Timo: Das geht ja auch in diese Richtung.
Timo: Sich dann so diese Angst, also nicht Freiheit berauben, aber Unbeschwertheit
Timo: lässt man damit dann so ein bisschen los und geht so in dieses Ungewisse rein
Timo: und steigert sich da auch rein wahrscheinlich.
Silvi: Ja, Ungewissheit oder auch Unbeschwertheit und damit in Verbindung steht für
Silvi: mich auch das Vertrauen in jemand anders.
Silvi: Das Vertrauen darin, dass schon alles gut werden wird.
Silvi: Ist nicht immer so, ja, wissen wir alle.
Silvi: Es ist aber auch nicht immer so, dass das Schlimmste passiert ist,
Silvi: sondern es ist viel öfter irgendeine ganz banale Erklärung für ein zu spät kommen
Silvi: oder für ein sich nicht melden.
Silvi: Also dass mal der Handy akku leer ist oder keine Ahnung du, wir sind hier in
Silvi: Deutschland, es gibt Funklöcher, immer noch.
Silvi: Also es kann ja auch ein Grund sein, für sich nicht melden.
Silvi: Weiß ich nicht, du kommst aus dem Urlaub zurück, dein Flug hat Verspätung,
Silvi: im Flieger hast du halt dein Handy aus oder auf Flugmodus, also alles solche Sachen.
Silvi: Ich glaube, es gibt viele gute Gründe, die das dann leicht auflösen.
Silvi: Warum jemand später ist als erwartet und sich nicht gemeldet hat,
Silvi: um jetzt bei dem Beispiel zu bleiben.
Silvi: Und ja, um da die Sorge zu minimieren, gehört auch einfach das Vertrauen drauf,
Silvi: dass schon alles gut werden wird.
Timo: Total, das finde ich ein super Reminder, um da auch festzuhalten,
Timo: wenn man so in dieser Ungewissheit ist.
Silvi: Ja.
Timo: Es gibt so viele Sachen, die damit einwirken können, wie du gesagt hast, und das finde ich schön.
Silvi: Das ist auch tatsächlich was, was mir hilft. Also ich hatte das natürlich auch
Silvi: schon, dass ich denke, oh shit, ist irgendwas passiert.
Silvi: Und natürlich, das kann immer der Fall sein, aber dann auch gleichzeitig zu
Silvi: sagen, ja nee, jetzt dreh mal nicht durch.
Silvi: Das wird schon alles gut sein.
Timo: Ja, so als Mantra mitzunehmen.
Silvi: Ja, um mich selber auch zu beruhigen, natürlich.
Timo: Um dann auch zu sagen, okay, weißt du, gerade diese Freiheit,
Timo: mir geht es gut oder Wohlbefinden, dann halt auch eine Balance zu halten.
Timo: Das glaube ich, finde ich einfach wichtig.
Timo: Und ein Punkt dazu, den ich noch habe, den ich auch super interessant finde,
Timo: Angst als Preis der Freiheit, wer wählen kann, kann falsch wählen.
Timo: Also wenn man viel Ausfall hat, wir haben ja heutzutage sehr viel Ausfall mit
Timo: ganz, ganz vielen Sachen und da kann durchaus auch eine Angst entstehen,
Timo: falsch zu wählen und deswegen gar nicht zu wählen und sich deshalb zu beschneiden und,
Timo: keine Freiheit zu haben. Das finde ich auch einen wichtigen Punkt.
Silvi: Ah, okay, da denke ich jetzt direkt,
Silvi: an diese verschiedenen Reaktionen. Es gibt da ja so eine, weiß ich nicht,
Silvi: ist es ein Modell oder diese Fight, Flight, Freeze Reaktionen, Fawn gibt es noch.
Silvi: Also, dass man einfach verschieden auf Angst reagiert.
Timo: Also auch körperlich reagiert.
Silvi: Meinst du das? Genau, genau, körperlich auch reagiert, dass ich eben,
Silvi: wenn ich in diesem Fight-Modus bin, dann gehe ich sozusagen auf Konfrontation.
Timo: Das sind diese Momente, wo dir das Herz bis zum Hals schlägt wahrscheinlich
Timo: und du total auf, jeder kennt die wahrscheinlich Situation,
Timo: Straßenverkehr, haben wir ja auch öfters als Thema, man ist total im Fight-Modus,
Timo: oh ja, dem sage ich es jetzt, ist das, was du meinst oder ist das was anderes?
Silvi: Nein, weil wenn du jetzt das Beispiel Straßenverkehr, ich glaube,
Silvi: das ist eher pure Aggression, da hat keiner Angst, sondern da haben alle recht.
Silvi: Das ist vielleicht auch nochmal eine separate Folge.
Silvi: Nee, wenn wir jetzt, wenn wir zum Beispiel von einer Situation sprechen,
Silvi: jemand will dir deinen Geldbeutel klauen,
Silvi: dann ist das bestimmt eine Situation, in der man Angst hat, weil da versucht,
Silvi: dich jemand auszurauben, der ist vielleicht bewaffnet, du weißt es nicht.
Silvi: Dann kannst du entweder mit Fight reagieren, indem du sagst,
Silvi: hier, ich wehre mich auf jeden Fall, der kriegt meinen Geldbeutel nicht. Oder,
Silvi: Du sagst halt, schnell abhauen, das irgendwie bloß nicht auf die Konfrontation ankommen lassen.
Silvi: Oder du bist vielleicht auch in diesem Freeze-Modus so, ich mache am besten
Silvi: gar nichts, dann passiert mir hoffentlich nichts.
Timo: Da muss ich ganz kurz, wenn ich unterbreche, ich weiß nicht,
Timo: ob es Schafe oder Ziegen sind, die dann einfach so erstarren und dann umfallen. Kennst du das?
Silvi: Das finde ich voll.
Timo: Doch, wenn die Gefahr lauern, dann ist so dieses Freak. Aber es gibt Tiere.
Silvi: Die in diesem Erstarr-Modus sozusagen totstellen.
Silvi: Aber wenn ich mich nicht bewege, dann merkt der Feind nicht, dass ich da bin.
Timo: Ja, voll. Da muss ich gerade dran denken.
Silvi: Genau, und das vierte, was irgendwann noch dazugekommen ist, wäre Fawn.
Silvi: Also sozusagen die Bedrohung irgendwie durch Versuchen, durch Nachgeben oder,
Silvi: Gefallen wollen zu entschärfen. So,
Silvi: hey, ich gebe dir meinen Geldbeutel freiwillig und bitte tu mir nichts.
Silvi: Hier, du kannst alles haben, aber lass mich in Ruhe.
Timo: Okay, das finde ich sehr interessant. Also nochmal zusammenzufassen,
Timo: du hast gesagt, es gibt einmal Kampf, es gibt Flucht,
Timo: es gibt Erstarren und es gibt Anpassen, Beschwichtigen als Reaktion auf diese
Timo: körperlichen Angstzustände.
Silvi: Genau, auf diese Angstsituationen, ja.
Timo: In welche Kategorie würdest du dich reinpacken oder kann man das so nicht pauschal sagen?
Silvi: Ich war zum Glück noch nie in der Situation, dass jemand meinen Geldbeutel klauen wollte.
Silvi: Und ich glaube, da gibt es auch keine richtige oder falsche Reaktion.
Silvi: Das ist wahrscheinlich immer eine...
Silvi: Ein Bruchteil von Sekunden, wo du dich entscheidest, weil auch da,
Silvi: ich glaube, es hatten wir auch in der Mutfolge, es ist eine Risikoabwägung.
Silvi: Also vielleicht gibt es individuell eine Tendenz, du sagst, ich bin eher der
Silvi: Kämpfer anstatt die Person, die abhaut.
Silvi: Aber am Ende ist es Bruchteil von Sekunden, Risiko, Abwägung,
Silvi: welche Chancen habe ich?
Silvi: Also du hast ja eben nicht immer die Chance, dich zu verteidigen.
Silvi: Du hast auch nicht immer die Chance zu flüchten.
Silvi: Du hast auch nicht immer die Chance hier gefallen wollen, das interessiert dein
Silvi: Gegenüber vielleicht gar nicht.
Silvi: Und genauso ist es mit dem Erstarren.
Silvi: Mag sein, dass das im Tierreich vielleicht mal funktioniert,
Silvi: dass der potenzielle Räuber dich dann nicht mehr als Beute erkennt.
Silvi: Aber ich glaube, im menschlichen Kontext funktioniert Erstarren nicht so gut.
Timo: Ja, fühle ich auch voll. Ich würde auch sagen, je nach Situation und wenn ich
Timo: darüber nachdenke, bin ich auch in allen vier schon mal gewesen.
Timo: Würde ich behaupten, ja. Vollerkennung und dann guckst du, welche Reaktion da am besten passt.
Silvi: Aber du hattest jetzt auch noch nicht so eine extreme Situation mit,
Silvi: dir will jemand den Geldbeutel klauen, oder?
Timo: Nein, hatte ich auch noch nicht. Auf gar keinen Fall.
Silvi: Ja, weil ich denke, das so hypothetisch zu beantworten, kann man gar nicht.
Silvi: Am Ende entscheidet sich das, wenn du in so einer Situation bist und selbst dann...
Silvi: Ist das nächste Mal eine vergleichbare Situation vielleicht trotzdem anders,
Silvi: weil du ja auch die Erfahrung aus der Ärzten hast.
Timo: Ja, nimmst du immer mit.
Silvi: Und dann weißt du, okay, das hat funktioniert oder das hat nicht funktioniert
Silvi: und machst es wieder oder machst es eben gerade nicht.
Timo: Das sind auch wieder, auch was wir sehr oft schon besprochen haben,
Timo: der Kopf als Mustererkennungsmaschine.
Timo: Sowas passiert in Bruchteile von Sekunden in so Situationen,
Timo: wo dann diese Angst, diese körperliche kommt und wo man dann wahrscheinlich
Timo: in diese Reaktion einfach automatisch reinfällt, weil man es gelernt hat,
Timo: weil man weiß, was passiert ist oder aus Erfahrung sammeln kann.
Timo: Das ist auch super spannend.
Silvi: Ja, und wir haben jetzt über Angst in wirklich einer konkreten Situation gesprochen,
Silvi: aber ganz oft sind ja Ängste überhaupt nicht rational.
Silvi: In der Mutfolge hast du über deine Flugangst gesprochen.
Silvi: Ich habe Klaustrophobie, also die Angst in engen Räumen, insbesondere Tunnel
Silvi: oder Höhlen, das ist überhaupt nicht rational. Dafür gibt es keinen plausiblen
Silvi: Grund, jedenfalls keiner, der mir bekannt ist.
Silvi: Es gibt Menschen, die haben Angst vor Spinnen, die haben Angst vor Hunden.
Silvi: Gut, mit dem Hund ist es vielleicht, wenn man schon mal gebissen wurde, okay.
Silvi: Aber ich glaube, es wurde noch niemand ernsthaft von der Spinne angefallen,
Silvi: zumindest nicht im europäischen Raum.
Silvi: Trotzdem ist diese Angst ja da. Und die ist einfach oft nicht rational oder
Silvi: zumindest nicht rational erklärbar.
Silvi: Und zeigt sich aber dann wieder in diesen körperlichen Reaktionen,
Silvi: die du vorhin genannt hast.
Timo: Ja, und was würde passieren, wenn du das äußerst mit der Angst und dir jemand
Timo: sagt, brauchst du doch keine Angst vor haben?
Silvi: Oh, ganz schlimm.
Silvi: Ganz schlimm. Das,
Silvi: kriegen ja oft Kinder zu hören, brauchst keine Angst haben und ich finde es
Silvi: deswegen so schlimm, weil so eine Aussage nimmt die Angst nicht, sondern im Gegenteil,
Silvi: das spricht eher das Gefühl ab.
Silvi: Und für mich hat es auch sowas von, bitte lass mich mit deinem Kram in Ruhe oder so.
Silvi: Ich habe davor keine Angst, also brauchst du das auch nicht.
Timo: So ein Überstülpen.
Silvi: Ja, was soll das denn? Es hat halt jemand die Angst, also ich kann die Person
Silvi: fragen, hey, kann ich irgendwas für dich tun, damit es irgendwie besser geht oder so.
Timo: Ja, es ist oft dieses Überstülpen wollen mit auch und als Floskel.
Timo: Das sind die zwei Kategorien, wo ich da sehe und ich fühle dann immer so,
Timo: also oder denk mir dabei, du nimmst mich gar nicht ernst, geh doch bitte auf
Timo: diese Angst ein und frag doch eher, warum kommt das her?
Silvi: Ja, oder wie gesagt, hey, was kann ich gerade, kann ich irgendwas tun,
Silvi: damit es für dich ein bisschen leichter ist?
Timo: Genau.
Silvi: Reicht ja schon.
Timo: Und was ich in dem Zug auch nochmal kurz gedacht habe ist, es hört sich jetzt,
Timo: komisch an, Angst hat ja auch was Positives, diese körperliche,
Timo: emotionale Sache, klar, die Sachen, aber man kann was draus lernen.
Silvi: Wahrscheinlich hätte die Menschheit nie überlebt, wenn es die Angst nicht gäbe.
Timo: Auch das, auch das. Da sind wir wieder bei Muster. Das prägt sich ein. Oh, Angst. Gefährlich.
Timo: Warnsignal. Und das meine ich mit dem Positiven. Also ich glaube,
Timo: man braucht das gar nicht stigmatisieren. Angst kann was Gutes sein.
Silvi: Ja, es kann eine Schutzfunktion sein.
Timo: Schutzfunktion, Wachstumsfunktion. Ich habe vor, ich habe totales Herzklopfen,
Timo: wenn ich auf die Bühne gehe und was erzählen muss vor tausenden von Leuten.
Silvi: Aha.
Timo: Ja, zum Beispiel.
Silvi: Du gehst auf die Bühne und sprichst vor tausenden von Leuten.
Timo: Nicht vor Tausenden.
Silvi: Fühlst du ein Doppelleben oder so?
Timo: Auf gar keinen Fall. Aber als Situation. Und dann kann man da rausgehen und
Timo: das dann auch abspeichern. Das war doch gar nicht so schlimm.
Timo: Vielleicht hat es mir sogar Spaß gemacht auf der Bühne.
Timo: Und erkennt es als Wachstumsmöglichkeit.
Silvi: Ja, zumindest so als Lernerfahrung. Hey, es war doch gar nicht so schlimm, wie ich dachte.
Silvi: Und es ist dann aber auch okay, das nächste Mal wieder Lampenfieber zu haben.
Silvi: Gleichzeitig aber zu wissen, ah ja, okay, wenn ich dann erstmal ein paar Sätze
Silvi: gesagt habe, wird es schon gut werden.
Timo: Genau, dass man dann da reinkommt. Definitiv.
Silvi: Ja, hast du irgendwie einen besonderen Take aus der heutigen Folge?
Timo: Einen besonderen Take? Ja, wir haben ja im Vorfeld auch kurz überlegt gehabt,
Timo: in der Mutfolge haben wir auch schon Angst und viele Aspekte erwähnt.
Timo: Ich finde, jetzt haben wir aber auch nochmal ein paar Sachen beleuchtet.
Timo: Nochmal die Begrifflichkeit, Furcht, Sorge, Angst.
Timo: Dass es körperlich ist, das finde ich auch nochmal super spannend.
Timo: Und die Abgrenzung hat mir geholfen, es nochmal zu unterscheiden.
Timo: Wie gesagt, das, was ich zum Schluss gesagt habe, Finde ich nochmal super cool,
Timo: dass es eigentlich auch positiv ist, Wachstum sein kann, Schutzfunktion und,
Timo: ich würde das gerne positiv besetzen.
Timo: Ich finde das ein cooles Thema. Wie sieht es bei dir aus?
Silvi: Ich finde es gerade total schön, dass wir uns darüber unterhalten, weil,
Silvi: Angst ja eher negativ besetzt ist, also als negatives Gefühl und man spricht
Silvi: da nicht so gerne drüber oder versucht es auch irgendwie wegzudrücken.
Silvi: Es ist kein angenehmes Gefühl und deswegen finde ich das gerade schön,
Silvi: darüber zu sprechen, weil jeder Mensch hat irgendwelche Ängste,
Silvi: und manchmal werden die halt schon kleiner, indem man überhaupt darüber spricht
Silvi: und die mit anderen teilt und vielleicht dann auch hört, was jemand anders für Ängste hat,
Silvi: und sich da auch gegenseitig ernst nimmt.
Timo: Man macht sich auch nahbar.
Silvi: Ja, auf jeden Fall.
Timo: Es ist okay, die Angst auch mal mit jemandem zu teilen und das gucken,
Timo: wie der andere reagiert und dann auch vielleicht von dem Angst zu erfahren.
Timo: Es verbindet einen, das finde ich voll toll.
Silvi: Schönes Schlusswort, Timo. Vielen Dank. Das war es auch schon wieder mit Coffee
Silvi: Chaos Clarity, eurem Podcast, bei dem wir beim Kaffee trinken unser Gedankenchaos
Silvi: sortieren, um Klarheit zu finden. Vielen Dank fürs Zuhören.
Timo: Vielen Dank. Tschüss.
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