#9 - Verzicht: Qual oder Klarheit?
Shownotes
Muss es wirklich immer der ganze Schokoriegel sein – oder ist die halbe Portion schon der Anfang von schmerzhaftem Verzicht? In dieser Folge von Coffee Chaos Clarity nehmen wir ein Thema unter die Lupe, das oft mit Schwere und negativem Druck besetzt ist, aber erstaunliches Potenzial für die eigene Freiheit bietet. Wir sprechen darüber, warum das Teilen einer Süßigkeit für den einen Genuss und für den anderen Überwindung bedeutet und wie man durch kleine psychologische Tricks – wie ein farbloses Handy-Display – dem digitalen Hamsterrad entkommt. Ist freiwilliger Verzicht am Ende vielleicht sogar ein Privileg? Und wie viel Zeit gewinnen wir eigentlich zurück, wenn wir bewusst "Nein" sagen? Schnappt euch einen Kaffee und sortiert mit uns das Gedankenchaos rund um die Frage: Was ist uns im Leben eigentlich wirklich wichtig?
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Silvi: Willkommen zur neuen Folge von Coffee Chaos Clarity, eurem Podcast,
Silvi: bei dem wir beim Kaffeetrinken versuchen, unser Gedankenchaos zu sortieren und Klarheit zu finden.
Silvi: Timo, was ist unser Thema heute?
Timo: Vielen Dank, Silvi. Ja, heute wird es super spannend, weil heute versuchen wir
Timo: herauszufinden, warum es mir so schwerfällt, auf einen halben Schokoregel zu verzichten.
Silvi: Das ist interessant. Ich wusste nicht, dass das Verzicht ist.
Timo: Ja, nee, genau. Also Thema ist heute Verzicht und ich möchte als Beispiel direkt
Timo: mal einfach reinschmeißen als Diskussionsgrundlage.
Timo: Ja, Schokoriegel, großer Hunger, große Lust drauf und den einfach nur in die
Timo: Hälfte zu schneiden, nur die Hälfte zu nehmen, ist für mich schon Verzicht.
Timo: Nämlich auf die anderen Hälfte vom Schokoriegel. Das hat natürlich noch ein
Timo: paar andere positive Effekte, aber wo wir das auch schon mal besprochen haben,
Timo: hast du vorhin direkt gesagt, für mich ist das gar kein Verzicht.
Timo: Warum ist das für dich kein Verzicht?
Silvi: Ein Schokoriegel zu teilen?
Timo: Ja. Also, sagen wir mal, durchzuschneiden und die Hälfte erstmal weglegen.
Silvi: Ich freue mich dann einfach, dass wir beide was davon haben.
Silvi: Und ähm,
Silvi: Ja, also ich genieße den ja nicht mehr, nur wenn ich doppelt so viel davon habe.
Silvi: Also so ein Schokoriegel ist ja jetzt auch nicht irgendwie ein Mini-Ding,
Silvi: wo man jetzt wirklich denkt, ah, so ein bisschen mehr wäre noch geil gewesen.
Silvi: Ein halber Schokoriegel reicht. Und wie gesagt, ich freue mich,
Silvi: das dann zu teilen, dass wir beide was davon haben.
Silvi: Deswegen ist das für mich kein Verzicht. Ich schneide es ja auch manchmal für
Silvi: mich durch, weil ich denke, einer ist mir zu viel.
Silvi: Jetzt wahrscheinlich halten mich manche HörerInnen für total bescheuert.
Silvi: Das ist so wie diese, wenn man an Süßigkeiten oder so dran steht, wieder verschließbar.
Silvi: So, ha, ha, ha, warum sollte man das wieder zu und zu machen?
Timo: Ja, ich finde das auch ein Witz. Ich mache das doch nicht mehr zu.
Silvi: Ja, okay. Aber das sind wir am Rande. Ja, ich freue mich dann auch,
Silvi: wenn ich am nächsten Tag doch mal einen anderen halben Schokoriegel habe.
Timo: Ja, ja. Also es hat tolle Effekte auch. Du hast dann am nächsten Tag die Freude,
Timo: das wieder zu entdecken.
Timo: Bei mir ist dann auch meistens so halbe Durchschneiden aus dem Auge, aus dem Sinn.
Timo: Dann geht es wieder zurück in den Kühlschrank und dann denkst du,
Timo: boah, nach zwei Tagen ich habe ja noch einen halben Schokoriegel, wie geil.
Timo: Das kann natürlich auch ein kleiner psychologischer Trick sein,
Timo: um diesen Verzicht auch einfach in eine gewisse Leichtigkeit zu entwickeln.
Timo: Es fällt auch gar nicht so schwer, nehme ich nur die Hälfte,
Timo: pack den Rest in den Kühlschrank.
Timo: Das sind viele positive Effekte. Aber das, was du vorhin gesagt hast,
Timo: für mich fühlt es sich auf Verzicht an, glaube ich, weil ich nicht so dieses
Timo: Bewusstsein für den Genuss habe, bei Schokolade zum Beispiel.
Silvi: Das heißt, es kostet dich auch Überwindung, da drauf zu verzichten?
Timo: Ja, immer. Deswegen würde ich es auch als Verzicht bezeichnen,
Timo: ja. Eine gewisse Überwindung dazu zählt zum Verzicht vielleicht, ja.
Silvi: Ach so. Sehr spannend.
Timo: Ja.
Silvi: Weil ich bin so, du bist da, willst du die Hälfte?
Timo: Ja, natürlich. Wir hatten es ja auch, dass die Situation, da habe ich extra
Timo: gesagt, nee, heute kriegst du nicht die Hälfte.
Timo: Es geht nicht.
Silvi: Ehekrise.
Timo: Konflikt.
Silvi: Ja, genau.
Timo: Ich fand das in dem Moment einfach nur ehrlich, ich habe das gesagt und das
Timo: habe ich gerade auch dann einfach irgendwie, es hört sich gebraucht an diesen
Timo: Schokoriegel. Ich wollte den ganz essen.
Timo: Ich konnte nicht darauf verzichten.
Timo: Okay. So viel zur Einleitung, zum Thema.
Silvi: Also ich habe bei Verzicht an größere Themen gedacht.
Silvi: Wir sind ja aktuell gerade in der Fastenzeit. Es ist die christliche Fastenzeit,
Silvi: es ist auch Ramadan und da geht es ja um den Verzicht von Nahrung in unterschiedlicher Form.
Silvi: Müssen wir jetzt gar nicht vertiefen, aber die Fastenzeit wird ja auch von vielen
Silvi: Menschen genutzt, um ganz andere Sachen zu fasten, wie zum Beispiel, es gibt Autofasten,
Silvi: dass die Leute sagen, hey, ein bisschen mehr Bewegung, öfter mal das Auto stehen lassen,
Silvi: Social-Media-Fasten, Handy-Fasten,
Silvi: keine Ahnung, Alkohol, Fleisch, Zucker, alles Mögliche.
Silvi: Und daran habe ich bei dem Wort Verzicht gedacht, ja, wahrscheinlich,
Silvi: weil das aktuell gerade die Zeit ist und das viele Menschen gerade machen. ähm.
Silvi: Ja, und dann ist mir aber so eingefallen, das ist ja ein freiwilliger Verzicht,
Silvi: den ich mir aussuche, oft auch zeitlich begrenzt.
Silvi: Aber es gibt ja auch Verzicht, der nicht ganz freiwillig ist.
Silvi: Also zum Beispiel, wenn ich nur eine bestimmte Menge Ressourcen zur Verfügung
Silvi: habe, dann kann ich vielleicht nur eine Sache machen.
Silvi: Also Beispiel, ich möchte mir irgendwas gönnen,
Silvi: ganz egal was, ob das jetzt irgendwas Materielles ist oder eine kulturelle Veranstaltung
Silvi: oder irgendwas oder vielleicht ein teures Essen.
Silvi: Ich muss dabei überlegen, was ist diesen Monat noch zu bezahlen, zum Beispiel.
Silvi: Und dann verzichte ich vielleicht darauf, weil ich sage, okay,
Silvi: das passt einfach nicht.
Silvi: Und das ist ein Verzicht aufgrund fehlender Ressourcen, in dem Fall Geld.
Timo: Das heißt auch, Verzicht kann auch ein Privileg sein.
Silvi: Auf jeden Fall.
Timo: Ja, dass man auf Dinge verzichten kann, aber es auch manchmal nicht muss.
Silvi: Ja, ich denke, das muss man sich leisten können. Und auch leisten können nicht
Silvi: nur im finanziellen Sinne, sondern auch mit der Zeit.
Silvi: Wenn ich jetzt zum Beispiel sage, ich verzichte auf Zucker, dann ist das gar
Silvi: nicht so einfach, weil sämtliche verarbeiteten Lebensmittel enthalten Zucker.
Silvi: Wenn ich darauf verzichten möchte, bedeutet es im Umkehrschluss,
Silvi: ich muss mehr selber kochen. Dafür brauche ich Zeit.
Silvi: Ich brauche auch Zeit dafür, mich mit dem Thema überhaupt auseinanderzusetzen
Silvi: und mir vielleicht passende Rezepte rauszusuchen oder ja, was weiß ich,
Silvi: auch ein bisschen auszuprobieren.
Silvi: Sachen, die ich kenne oder die ich bisher gegessen habe, die kann ich wahrscheinlich
Silvi: viel schneller zubereiten als jetzt irgendwas Neues.
Timo: Ja, Zuckerverzicht fühlt sich halt manchmal wie eine Lebensaufgabe schon an
Timo: teilweise, weil es dann so viel Zeit und auch Ressourcen und auch Du verbringst ja allein im.
Silvi: Supermarkt mehr Zeit, indem du überhaupt mal anfängst, da zu lesen,
Silvi: was da, was alles drin ist und dann ging es mir schon manchmal so,
Silvi: dass ich am liebsten gar nichts gekauft hätte.
Timo: Ja, genau.
Silvi: Dass du dann irgendwie denkst, ah ja, okay, danke, ich kaufe mir einen Apfel.
Timo: Das zehnte Getränk, du denkst, du bist gesund, guckst dir einen Fruchtsaft oder
Timo: einen O-Saft an und guckst auf den Zuckerwert, dann denkst du dir,
Timo: oh mein Gott, das ist allein das Ding.
Timo: Die 100 Milliliter enthalten den ganzen Zuckerbedarf für den ganzen Tag. Ja, super schwierig.
Timo: Und auch das ist eine gewisse Schwierigkeit mit Verzicht verbunden,
Timo: wenn wir zum Beispiel auf das Thema gucken.
Silvi: Was mir in dem Zusammenhang gerade noch einfällt mit Lebensmitteln,
Silvi: ich kann ja, und das ist auch ein fremdbestimmter Verzicht, wenn ich irgendwelche
Silvi: Unverträglichkeiten habe, dann muss ich auf manche Sachen verzichten.
Silvi: Und zum Beispiel ein Freund von uns, der, was hat der, Glutenunverträglichkeit, glaube ich.
Silvi: Ja, Pizza essen mit dem ist dann halt schwierig. Ja, natürlich,
Silvi: es gibt Alternativen, aber da muss man schon genau gucken, wer bietet das an
Silvi: oder gibt es dann eben eine Alternative zur Pizza.
Silvi: Ja, und auch das ist ja ein Verzicht in der Form, dass man vielleicht ein bisschen
Silvi: beschränkter ist in der Restaurantauswahl, in der Lebensmittelauswahl.
Timo: Ja, vor allem, was ich das auch nochmal als Thema, bringt es für mich auch noch
Timo: so ein bisschen Druck oder auch Schwere mit, die es nicht so einfach machen, das Thema Verzicht.
Timo: Als Beispiel hast du jetzt gesagt, man hat eine gewisse, vielleicht eine Krankheit
Timo: oder kann sich, und dann muss man auch die Zeit investieren jedes Mal.
Timo: Okay, was gibt es hier auf der Speiseplan?
Timo: Welches Restaurant kann ich gehen? Wie kann ich das mit meinen Freunden?
Timo: Ich will ja auch nicht, dass die dann auch noch verzichten dann auf das,
Timo: nur weil ich das habe, bringt eine gewisse Druckschwere mit.
Timo: Aber auch, ja jetzt ist Fastenzeit oder manchmal auch die Neujahrsvorsätze ist
Timo: ja auch immer so ein bisschen verzichtet. Ich mache mehr Sport,
Timo: dafür verzichte ich auf Zeit mit Familie, Freunden oder ich verzichte auf süßes
Timo: Essen und auf Schokolade.
Silvi: Und verzichte auf Speck.
Timo: Verzichte auf Speck. Nein, ich will meinen Speck. Der schwabbelt so schön.
Timo: Ja, aber auch ein Druck und Schwere, wo man dann vielleicht dann wieder durch
Timo: diese Zeiträume, die du gesagt hast, einmal fasten oder auch dann Neujahrsvorsätze,
Timo: so eine gewisse, oh jetzt ist schon wieder die Zeit, jetzt muss ich was machen unbedingt,
Timo: weil das und das wieder da ist und so viele fasten und jetzt habe ich schon
Timo: zehn Freunden gehört, die machen jetzt Social Media Fasten, Autofasten, whatever.
Silvi: Du meinst, so ein sozialer Druck?
Timo: Ja, sozialer Druck liegt da auch drin. Das machen das, glaube ich, auch einfach schwer.
Timo: Ich merke da manchmal so eine Druck und Schwere bei manchen anderen rundherum.
Silvi: Das heißt, der Begriff ist für dich eher negativ belegt?
Timo: Ja, genau. Also insgesamt, glaube ich, Verzicht ist auch negativ belegt.
Timo: Oder auch, ja, ist er. Aber weil es auch alles gibt.
Timo: Eigentlich haben wir ja alles. Und dann auch Negativs im Sinne von,
Timo: wenn man dann so erzählt, ja, ich hoffe, dass und das verzichtet.
Timo: Was, das kannst du, das könnte ich nicht.
Timo: Das macht es manchmal auch nicht einfacher. Und dann sind wir wieder,
Timo: das Verzicht auch in einem gewissen Kontext und manchen leichter und schwerer
Timo: fällt, wie das Beispiel wieder am Anfang mit dem Schokoriegel.
Timo: Du nimmst das Messer, schneidest in der Hälfte durch und ich muss ja noch zweimal
Timo: überlegen, bevor ich den durchschneide, ob ich nicht wirklich den ganzen Riegel will.
Silvi: Für mich ist Verzicht eher so ein Blick auf, was ist eigentlich wichtig,
Silvi: also der freiwillige Verzicht.
Silvi: Wenn ich jetzt mich bewusst entscheide, unabhängig von, ob Fastenzeit ist oder
Silvi: nicht, wenn ich zum Beispiel sage, ich möchte Social Media fasten.
Silvi: Dann ist es insofern so ein Blick auf, was ist eigentlich wichtig,
Silvi: dass ich mich halt damit auseinandersetze.
Silvi: Oder da gehört ja schon mal die Erkenntnis dazu, dass das vielleicht zu viel ist.
Silvi: Und dadurch die Entscheidung, okay, ich möchte eine Zeit lang darauf verzichten,
Silvi: um zu gucken, was macht es mit mir und wie verändert das mich.
Timo: Also das finde ich gerade nochmal ein interessanter Punkt, so diese Art Testballon
Timo: mal ausprobieren, das finde ich super spannend, weil nämlich auch,
Timo: ich glaube, wenn man so sagt, nur über das Wort verzichten oder verzichtet redet,
Timo: das ist dann immer so langfristig.
Timo: Die Leute denken immer, sie müssen noch den Rest ihres Lebens drauf verzichten.
Timo: Oder das All-In so, ah ja, Verzicht, ich muss das jetzt immer machen.
Timo: Nee, musst du nicht, du kannst es auch erst mal ausprobieren.
Timo: Und dann denke ich wieder, du hast ja gerade gefragt, ist das für dich negativ
Timo: behaftet? Ja, in vielen Punkten schon.
Timo: Aber mir fällt auch gerade auf oder ein, dass es auch sehr, sehr positiv sein kann.
Timo: Wie ich am Anfang gesagt habe mit dem, ah, man freut sich am nächsten Tag dann
Timo: nochmal auf die Hälfte vom Riegel.
Timo: Oder wenn man zum Beispiel dann hier zu viel Nippes oder Grusche in der Wohnung
Timo: rumstehen hat, dann das auch reduzieren zu können.
Timo: Oder auch Klamotten loszuwerden, die man halt zehn Jahre nicht mehr anhat und
Timo: hat man halt weniger Sachen, die man dann im Schrank hat und man sich eigentlich
Timo: gar nicht mehr kümmern muss.
Timo: Autoverzicht kann sich super befreiend anfühlen. Ich muss mich nicht mehr um
Timo: TÜV kümmern. Wo lagere ich die Winterreifen?
Timo: Oder jetzt Verkehrsstau, Wartung, was alles damit zusammenhängt,
Timo: kann sich super befreiend anfühlen und auch ein toller, positiver Aspekt im Verzicht sein.
Silvi: Ja, auf jeden Fall. Und bei dem freiwilligen Verzicht ist ja auch die Frage,
Silvi: was will ich damit bezwecken?
Silvi: Ich habe ja gerade schon gesagt, dazu gehört ja die Erkenntnis,
Silvi: dass ich in irgendeinem Bereich denke, das ist vielleicht gerade zu viel.
Silvi: Zu viel Zigaretten, zu viel Alkohol, zu viel Fleisch, zu viel Social Media, was auch immer.
Silvi: Und möchte da mal den Fokus drauflegen, was es mit mir macht, wenn ich das nicht habe.
Silvi: Und das ist ja das Interessante daran, es hat viel mehr Selbstreflexion zu tun, glaube ich.
Timo: Stimmt, Verzicht kann auch ein tolles Instrument zur Selbstreflexion sein.
Timo: Funktioniert das für mich, wenn ich jetzt darauf verzichte? Einfach mal ausprobieren
Timo: und dann wieder, der Mensch ist ein Routine-Tier, Tierchen, dass man dann einfach
Timo: merkt, das funktioniert für mich, schön.
Timo: Jetzt habe ich gemerkt, was nicht für mich funktioniert.
Timo: Manchmal macht man das ja auch im Autopilot, dass man das gar nicht ausprobiert
Timo: und da versucht man drauf zu verzichten.
Timo: Und ich glaube auch, je mehr man, also die Gesellschaft hat ja auch immer mehr
Timo: oder wir haben sehr viel, alle jederzeit zur Verfügung, glaube ich,
Timo: dass es auch einfach eine schöne Befreiung sein kann, auf was zu verzichten
Timo: und es nicht vielleicht ganz so negativ zu konnotieren.
Silvi: Ja, und vielleicht ist das auch der Schlüssel, zu gucken, was man hat.
Silvi: Weil du hast jetzt vorhin den gesellschaftlichen Druck angesprochen.
Silvi: Wenn ich sage, ich verzichte auf Fleisch und ich esse sowieso nicht viel Fleisch,
Silvi: dann ist das ja in dem Sinn kein Verzicht, weil das fällt mir im Alltag nicht wirklich auf.
Silvi: Also interessant sind ja die Sachen, wo du sagst, hey, ich habe den Eindruck,
Silvi: das ist vielleicht zu viel.
Silvi: Und gerade bei der Ernährung, wie reagiert mein Körper darauf?
Silvi: Wie sieht das in vier Wochen aus?
Silvi: Welche gesundheitlichen Effekte
Silvi: hat das vielleicht auch, wenn man mal auf Zucker vor allem verzichtet?
Timo: Ja, also große Themengebiete meinst du jetzt, ne?
Timo: Was die für einen Impact da haben.
Silvi: Aber auch, also nicht nur bei der Ernährung, auch bei Social Media.
Silvi: Ich glaube, wenn du vier Wochen mal wirklich auf kein Insta,
Silvi: kein LinkedIn, ich glaube, Facebook nutzt kein Mensch mehr, aber auf das alles,
Silvi: wenn du das alles einmal weglässt,
Silvi: ich denke schon, dass das was mit einem macht.
Timo: Immer hat einen positiven Effekt auf jeden Fall.
Silvi: Ja, du hast auf einmal mehr Zeit.
Timo: Ja, mehr Zeit.
Silvi: Weil das ist ja schon erschreckend, wie viel man mit irgendwelchem Doomscrolling verbindet.
Timo: Auch das Gegenbeispiel, einmal Doomscrolling, das Gegenbeispiel ist ja auch
Timo: immer beim Fasten, wenn man dann einfach keine Zeit mehr in Rezept aussuchen,
Timo: kochen, essen, das kostet am Tag einfach zu.
Silvi: Einkaufen vorher noch?
Timo: Danke, einkaufen. Wie viel Zeit man dann auf einmal hat?
Silvi: Das ist locker ein bis zwei Stunden mehr am Tag.
Timo: Ich finde es immer wieder der Wahnsinn, beim Fasten zu merken,
Timo: krass, wie viel Zeit, was machen wir denn jetzt mit der ganzen Zeit?
Timo: Das gibt es doch gar nicht.
Silvi: Spazieren gehen.
Timo: Spazieren gehen, genau. Walk and Talk machen zum Beispiel.
Timo: Das sind so krasse Effekte, die ich immer wieder bewundernswert finde.
Timo: Was mir noch gerade als Frage eingefallen ist,
Timo: hast du Tricks, die dir beim Verzichten helfen?
Silvi: Tricks?
Timo: Also das bezieht sich ja so ein bisschen auf Dinge, die einem schwer fallen.
Timo: So, mir fällt das schwer, Doomscrolling, wie lege ich das ab?
Silvi: Ah, okay. Ja, für so Handy-bezogene Sachen.
Silvi: Was ich mal gemacht habe, ich habe mein Handy komplett auf Nachtmodus gestellt,
Silvi: weil ich irgendwo gelesen hatte,
Silvi: dass diese ganzen Farben, Haare, alles so schön bunt, dass das sozusagen befördert,
Silvi: dass man ständig zum Handy greift und auch irgendwie das Belohnungssystem aktiviert.
Silvi: Ich kann es jetzt leider nicht wissenschaftlich korrekt wiedergeben.
Silvi: Ich habe es aber einfach mal ausprobiert und es ist tatsächlich so,
Silvi: du nimmst das Handy in die Hand und schwarz-weiß sieht das ja so langweilig
Silvi: aus, dass du es wirklich nur noch in die Hand nimmst, wenn du es brauchst.
Silvi: Also so, ich verkaufe mein ÖPNV-Ticket damit oder ich bezahle damit oder ich
Silvi: lese halt mal eine Message.
Silvi: Aber nicht so dieses, oh toll, es ist so schön bunt, ich will was gucken und
Silvi: dann hängt man viel länger dran, als man eigentlich möchte.
Silvi: Sondern es sieht einfach so extrem langweilig aus, dass du sagst, ja, danke.
Silvi: Das, was ich machen wollte, erledigt weglegen.
Timo: Die Attraktivität, wenn die Farben weg sind, verliert das voll.
Silvi: Also das fand ich super krass, weil ich konnte mir das nicht vorstellen.
Silvi: Dass das so im Unterbewusstsein abläuft, dass man das überhaupt nicht mitkriegt.
Timo: Was mir da auch noch zu Ohren gekommen ist, ich habe es selbst noch nicht ausprobiert,
Timo: sind so Apps, die dann wirklich unterbrechen, deinen ganzen Bildschirm einnehmen
Timo: und sagen, du hast jetzt eine Stunde Instagram- oder Handynutzung gehabt,
Timo: leg doch das Handy beiseite, so Reminder, dass du die kriegst.
Timo: Weil die Zeit verfliegt ja auch. Da habe ich schon von vielen rundherum gehört,
Timo: dass es denen geholfen hat, zum Beispiel bei Doomscrolling und auch ein bisschen Verzicht einzubauen.
Silvi: Okay. Ich habe halt Social Media gar nicht auf dem Handy.
Timo: Ja, auch eine Möglichkeit zum Beispiel.
Silvi: Weil das Handy habe ich immer dabei, weil ich es einfach so für viele Sachen
Silvi: nutze. Wie gesagt, mein Ticket ist da drauf.
Silvi: Man nutzt nur Google Maps oder bezahlt damit.
Silvi: Also viele Nutzungsarten, dass ich das einfach mal zu Hause lasse,
Silvi: ist schwierig, würde ich sagen.
Silvi: Weil es doch an der einen oder anderen Stelle gebraucht wird.
Silvi: Also das braucht schon wieder mehr Planung, einfach weil ich mich so dran gewöhnt habe.
Silvi: Aber deswegen habe ich da Social Media komplett runtergeschmissen.
Silvi: Und dann ist die Versuchung halt auch gar nicht da.
Silvi: Also auf meinem Handy gibt es nichts Spannendes in dem Sinn,
Silvi: wo ich so unnötig dran hängen bleibe.
Silvi: Aber es ist jetzt auch wieder bunt. Das mit dem Schwarz-Weißes habe ich wirklich
Silvi: nicht lange ertragen. Ich hatte nämlich zwei Tage und dachte,
Silvi: was soll denn der Scheiß?
Timo: Na gut, da fühlt man sich zurückversetzt, wo es nur drei Programme waren.
Timo: Und gab und eine, weil alle waren schwarz-weiß.
Silvi: So ungefähr.
Timo: Zum Glück haben wir bis heute heute...
Silvi: Was ist das?
Timo: What a time to be alive, Farbfernsehen. Geil.
Silvi: Geil.
Timo: Sehr schön. Ja, dann sind auch schon die 20 Minuten wieder um.
Timo: Haben wir schon wieder viel zum Verzicht beigetragen.
Timo: Ja, was ist, wenn du es nochmal zusammenfasst, was ist Verzicht für dich?
Silvi: Ja.
Silvi: Ich glaube, Verzicht bedeutet für mich das Bewusstsein für das,
Silvi: was mir wirklich wichtig ist.
Silvi: Und ich rede jetzt von dem freiwilligen Verzicht.
Silvi: Wobei ich es eingeschränkt auch für den fremdbestimmten Verzicht sagen würde,
Silvi: weil auch da treffe ich ja eine Entscheidung, wie ich meine Ressourcen einsetzen
Silvi: möchte, wo meine Priorität liegt.
Timo: Ja, ja.
Silvi: Das ist vielleicht nicht die schönste Wahl, aber deswegen denke ich,
Silvi: ja, das schafft ein Bewusstsein für das, was mir persönlich wichtig ist.
Timo: Ja.
Silvi: Ja.
Timo: Ja. Ich nehme nochmal mit, das hat einen hohen Reflexionsfaktor einfach für
Timo: einen selbst mit kleineren Sachen, die man ausprobiert.
Timo: In der Wahrnehmung ist es eher negativ besetzt, Verzicht.
Timo: Ich weiß, einfach das Wort an sich und sonst wie hört sich das negativ an,
Timo: so wie ich es in meinem Leben wahrgenommen habe.
Timo: Aber jetzt durch die Beispiele, die wir besprochen haben, hat es so viele positive
Timo: Aspekte. Man muss die nur für sich nutzen, finde ich. Das ist das,
Timo: was ich nochmal mitnehme.
Silvi: Und vielleicht hat es auch ein bisschen was mit Disziplin zu tun.
Silvi: Also wenn man sich einen Zeitraum setzt, in dem man auf irgendwas verzichten
Silvi: möchte, dann hat es den Effekt natürlich auch nur, wenn ich es durchziehe.
Silvi: Und das ist wiederum, denke ich, schon eine Frage von Disziplin.
Timo: Ja, das glaube ich auch.
Silvi: Und du brauchst mehr Disziplin, je größer sich der Verzicht anfühlt.
Timo: Und dann auch da, die Effekte können umso größer sein.
Silvi: Auf jeden Fall.
Timo: Die positiven Effekte.
Timo: Sehr schön.
Silvi: Ja, vielen Dank fürs Zuhören. Das war Coffee Chaos Clarity, euer Podcast,
Silvi: bei dem wir beim Kaffee trinken unser Gedankenchaos sortieren, um Klarheit zu finden.
Timo: Vielen Dank. Tschüss.
Silvi: Tschüss.
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